Tag 18    Stadt voller Charakter - zwischen Wiener Charme & lebendigen Cafés.

Girona & Camper Area Girona Vayreda (Nordost-Katalonien).

 

 

Beim Frühstück regnet es und wir überlegen, was wir jetzt machen.

 

Eigentlich wollten wir nun in die Hochpyrenäen fahren. Aber jetzt ist das Wetter in den höheren Lagen einfach zu schlecht und wird auch nicht besser in den nächsten Tagen. Sehr schade. Aber es macht bei der Kälte und im Regen einfach keinen Spaß. 

 

Ich ahnte sowas schon und hatte vorher lange überlegt, ob wir mit den wunderschönen Tälern da oben anfangen sollten, aber vor zwei Wochen war das Wetter dort auch nicht gut.

 

Wir entscheiden uns gegen die Kälte und für Girona. Das hatten wir auf dem Herweg ausgelassen, aber jetzt haben wir Lust darauf. 

 

Nach Girona sind es dreihundertsechzehn Kilometer. Und es liegt auf unserer Strecke gen Heimat. Es ist auch immer ganz schön, wenn die Heimreisestrecke sich Stück für Stück verkürzt.

 

Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir den Wohnmobilstellplatz Àrea autocaravanes Girona am Stadtrand von Girona, der uns überhaupt nicht zusagt. Es ist ein großer Platz an einer vielbefahrenen Straße.

 

Wir fahren zum nächsten Stellplatz in der Innenstadt, dem Wohnmobilstellplatz Camper Area Girona Vayreda. Es sieht aus wie ein Parkdeck, ist aber völlig ok. Irgendwie hat das Charme.

 

Wohnmobilstellplatz mitten in Girona - nicht schön, aber superpraktisch und sicher
Wohnmobilstellplatz mitten in Girona - nicht schön, aber superpraktisch und sicher

 

Wir machen uns ein wenig stadtfein und marschieren los in die City. In wenigen Minuten sind wir in der Innenstadt. Gironas Innenstadt begrüßt uns nett und beschaulich. 

 

Es ist eine tolle Stadt mit schönen Bars, Restaurants und Geschäften in einem filmreifen Ambiente. Ne, die Stadt ist nicht nur toll, sondern richtig richtig richtig toll!

 

Ich werde danach noch oft ins Schwärmen geraten, wenn ich zurückdenke an Girona.

 

Ich fühle mich einfach gleich total wohl hier.

 

Die Innenstadt wird durch den Fluss Onyar in zwei Hälften geteilt, die eine Seite wirkt Wienerisch mit einem großen Platz und offenen Arkadengängen, die andere wie eine Mischung aus dem Innenhof von Romeo und Julia in Verona und den Gassen auf dem Montmartre in Paris.

 

Und hier kommt noch was Spanisches dazu und so ein sportlicher Vibe, weil es bei Radsportlern sehr beliebt ist. 

 


Wir lassen uns treiben und trinken bei La Fábrica, einem bekannten Treffpunkt für Radfahrer, unseren Kaffee und essen bunten Kuchen. Girona ist eine Art Pilgerort für Radsport. Es gibt perfekte Trainingsstrecken und hier leben viele Rad-Pros.

 

Und ich denke die ganze Zeit, wie schön es hier ist! Und um ein Haar hätte ich Girona niemals kennengelernt. Wir sind ja nur hier, weil es oben in den Pyrenéen schon so kalt und regnerisch ist. 

 

Café und Radsportkultur: Das La Fábrica - gegründet vom Profi-Radfahrer Christian Meier
Café und Radsportkultur: Das La Fábrica - gegründet vom Profi-Radfahrer Christian Meier

  

Wir lassen uns durch die Straßen treiben, schauen in die engen Gassen, bestaunen die alten Gebäude und ich finde die vielen Treppen ganz entzückend. 

 

Ich kaufe ein Girona-Magnet und ich frage in einem Laden, wo wir am Besten auf die Stadtmauer gehen können. Der junge katalanische Verkäufer schenkt mir einen Stadtplan und zeigt mir darauf die schönste Stelle auf der Stadtmauer. 

 


Treppe des Stadtpalais Casa Agullana im jüdischen Viertel - berühmt geworden durch Game-of-Thrones
Treppe des Stadtpalais Casa Agullana im jüdischen Viertel - berühmt geworden durch Game-of-Thrones

 

Ich gehe in die Kathedrale Santa Maria, schaue mir alles in Ruhe an und bestaune anschließend mit Tatti zusammen die gewaltige Treppe, die weit hoch zum Vorplatz der Kathedrale führt. Die Kathedrale ist von überallher zu sehen. Sie steht hoch oben auf dem Stadthang. Die Altstadt ist terrassenförmig am Ufer des Flusses Onar angelegt.

 


Kathedrale von Girona am höchsten Punkt der Altstadt mit monumentaler Freitreppe - genutzt für dramatische Aufmärsche in Game-of-Thrones
Kathedrale von Girona am höchsten Punkt der Altstadt mit monumentaler Freitreppe - genutzt für dramatische Aufmärsche in Game-of-Thrones

Links daneben steht die Kirche Sant Feliu. Dort gehe ich auch rein und komme zur Ruhe, nehme mir viel Zeit, alles anzusehen und im Moment zu sein. 

 

Altar in der Basilica di Sant Feliu mit dem Stadtpatron Sant Narcis mit himmlischem Licht auf dem Kopf, getragen von Wolken und begleitet von Engelsmusik
Altar in der Basilica di Sant Feliu mit dem Stadtpatron Sant Narcis mit himmlischem Licht auf dem Kopf, getragen von Wolken und begleitet von Engelsmusik

 

Hier soll das Grab des Heiligen Sant Narcis gewesen sein. Einer Legende nach entströmten seinem Grab Fliegen, die feindliche Soldaten vertrieben und die Stadt retteten. Daher findet man das Motiv Fliege überall in Girona, auch als Souvenir. 

 

Nach meinem Kirchenbesuch gehen wir um die Kathedrale herum und weiter zur Stadtmauer. Dort gehen wir nur kurz hoch und sehen uns um und gehen dann wieder zurück ins Zentrum und hinunter zum Fluss, der mitten durch Girona fließt.

 


 

Hier unten ist es heller und weiter. Hier wirkt die Stadt fröhlich, leicht und luftig, 

 

 

Wir suchen zwischen den Häusern nach einer bekannten Brücke, der Eisenbrücke Pont de les Peixateries Velles. Sie wurde 1876 von Gustaf Eiffel gebaut.

 

Witzig, wo der Herr Eiffel überall herumgefuchtelt hat! Ich mache ein paar Fotos und wir gehen zurück ans andere Ufer.

 

 Jetzt befinden wir uns im moderenen lebendigen Girona mit beliebter Flanier- und Einkaufszone, vielen Cafés, Boutiquen und Restaurants. Ich hole mir in der Eisdiele Rocambolesc, die ein 3-Sterne-Koch gegründet hat, ein Eis zum Dahinschmelzen. 

 


Es gibt viel zu sehen, zum Beispiel den großen rechteckigen Plaça de la Independència mit vielen Restaurants und Cafés und mit Arcadengang. 

 

 

Der Platz hat eine Eleganz, die mich beeindruckt. Es gibt einen freistehenden Kiosk, zu dem mir gleich lauter schöne Geschichten, die sich dort abspielen könnten, einfallen. 

 


 

Zurück auf dem Stellplatz tauschen wir uns mit einigen anderen Campern über die Dieselknappheit in Frankreich aus. Einige sind durch Frankreich hergekommen und raten uns, vorher vollzutanken und dann bei jeder Gelegenheit nachzutanken. Wir hatten in den Nachrichten von einem Deutschen gehört, der wegen der Dieselknappheit in Frankreich festhing. Auch wir werden  es mit einer einzigen spanischen Tankfüllung nicht bis zur deutschen Grenze schaffen. 

 

Es ist schön, mit den anderen Campern auf einem Parkdeck-Stellplatz mitten in einer der schönsten Städte, die ich kenne, ins Quatschen zu kommen. Das ist sehr bunt und vielfältig. Manches ist lustig. Manches ist tiefgründig. Und alles zusammen fühlt sich echt an. Wie das Leben eben so ist. Und vor allem gibt es bei diesen Wohnmobilisten hier gerade nur nette. Hat man ja auch nicht immer!

 

Eine Frau aus Berlin setzt sich zu uns und wir reden über Scheidung, das Wetter in Andalusien, die Eigenarten der Jack Russel Terrier, das Alleinreisen und noch mehr. Wir sind uns einig, dass Girona eine megacoole Stadt ist.

 

Die Berlinerin macht immer hier ihren Zwischenstopp, wenn sie zum Surfen nach Tarifa fährt. Girona als Zwischenstopp will ich ab jetzt auch immer!! Sehr gute Tradition! Mal sehen, ob wir hier nochmal vorbei kommen werden. Hoffentlich! 

 

Menschen aus ganz Europa verbringen eine gemeinsame Nacht mitten in Girona
Menschen aus ganz Europa verbringen eine gemeinsame Nacht mitten in Girona

 

Unser Weg hat sich heute hier mit all diesen Menschen, die aus allen möglichen Richtungen und von weit her kommen und morgen früh wieder sternförmig auseinanderdriften, gekreuzt. Das ist zwar nur ein Moment, eine Nacht irgendwo in Europa mit irgendwelchen Campern.

 

Für mich ist es gerade etwas mehr als das. Ich empfinde es als besonders, dass so viele Menschen, die das Unterwegssein ebenso wie ich lieben und es auch leben, an einem klitzekleinen Punkt in Europa aufeinandertreffen und für den Moment stehen bleiben, etwas gemeinsam haben, nämlich hier zu übernachten.  

 

Und ich darf auch mit dabei sein. Klingt irgendwie komisch. Ich kann es nicht besser beschreiben, wie mich der Moment berührt. Auf bestimmten Wohnmobilplätzen ist es wie in einer anderen Welt. 

 

Sehr praktisch - heute schlafen wir mitten in Girona: 

Inhalte von Google Maps werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell), um den Cookie-Richtlinien von Google Maps zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Google Maps Datenschutzerklärung.