Der gewaltige Schlern liegt im morgendlichen Dunst und hat heute Morgen nur einen Hauch rosa. Die Pferde gucken uns bei unserem ersten Kaffee in der Stille des Morgens zu.
Danach verstauen wir unser loses Zeug von gestern für die Weiterfahrt.
Um acht starten wir unsere Dieselmotoren und unterbrechen für einen Moment die friedliche Stille und sind auch schon weg und auf dem Weg zur Seiser Alm.
Eine Berg- und Talfahrt mit der Gondel von Seis zur Bergstation Compatsch auf der Seiser Alm kostet achtzehn Euro pro Person.
Zusammen müssten wir sechzig Euro mit Hund zahlen.
Das Parken mit dem Auto oben kostet hingegen nur zwanzig Euro am Parkautomaten in Compatsch. Also sollten wir nicht die Gondel nehmen, sondern selber hochfahren.
Ein Parkplatz auf halber Höhe ist sogar gratis. Dort kann Susi dann ja parken und bei uns zusteigen, überlege ich mir während der Fahrt.
Hinter jeder Kurve flashen uns neue wunderschöne Ausblicke und beeindruckende Berganblicke. Die Fahrt von Kastelruth zur Seiser Alm ist ein einziger Rausch.
Nach neun Minuten stehen wir an der Zufahrtsstraße zur Seiser Alm - dem Punto informativo Controllo Strada Alp di Siusi.
Ein Kontrolleur kommt zum Fahrerfenster und fragt, wohin wir wollen.
Ich sage ihm, dass wir ganz nach oben zum P2 Compatsch wollen und der weiße Bulli hinter uns nur bis zum P1 Spitzbühl.
Und dass er die Frau hinter uns im weißen Bulli nichts fragen soll, weil sie gar nicht weiß, dass sie auf dem P1 parken soll.
Er drückt Tatti einen Zettel in die Hand, lacht und sagt okay.
Nach fünf Kilomtern bergauf biegen wir auf den unteren Parkplatz P1 Spitzbühl ein und Susi folgt.
Ich gehe zu ihrem Fahrerfenster und sage ihr, dass sie parken soll und sich beeilen soll, weil wir nicht wissen, was passiert, wenn wir nach neun nach oben fahren. Es ist zehn vor neun.
Und so kommt es, dass die arme Susi unter Zeitdruck gar nicht richtig überlegen kann, was sie alles mitnehmen will. Sie steigt blitzschnell und ohne ihre Trinkflasche und ohne ihre Sonnenbrille zu uns ins Wohnmobil.
Wir lassen Susis Bulli zurück und fahren weiter hoch.
Nach einem Kilometer sind wir oben und parken auf dem noch fast leeren Parkplatz P2 Compatsch.
Nach uns strömen im Minutentakt Autos auf den sonnigen Parkplatz.
Compatsch liegt am westlichen Rand der Seiser Alm. Es besteht aus dem Parkplatz, ein paar Gebäuden mit Restaurants und Hotelbetrieb und der Bergstation der Kabinenbahn.
Wir gehen vom Parkplatz aus ein kleines Stück bergauf und es öffnet sich uns der Blick weit über die sanften grasbewachsenen Hügel der Seiser Alm.
Wir nehmen einen schnurgeraden Wanderweg, der leicht bergab in eine Senke und dann geradeaus durch die Almwiesen geht. Der Himmel ist blau und die Bergsonne hat heute Morgen schon Kraft und uns wird warm.
Nach wenigen hundert Metern stehen wir vor der Talstation des Sesselliftes Puflatsch.
Wir steigen in die Gondel und wollen uns auf 2.104 m bringen lassen. Das ist von hier auch nur 400 Meter höher.
Ich wollte ja auch eigentlich lieber mit dem Fahrrad die Seiser Alm erkunden. Jetzt sehe ich, dass es uns zu voll gewesen wäre. Überall wuseln Menschen auf den Wander- und Radwegen. Wir sind uns schnell einig, dass wir nicht allzu lange bleiben werden.
Aber erstmal wollen wir oben auf der Terrasse eines Bergrestaurants frühstücken.
Wir öffnen das Fenster der fahrenden kleinen Gondel und es ist himmlisch still.
Um uns herum ist ein atemberaubendes Panorama und keinerlei Straßenlärm, kein Flugzeug ist zu hören, nur das Surren der Gondel.
Und der Wind.
Und ab und zu Kuhglocken. Je höher wir kommen, umso weiter geht unser Blick.
Die hügelige grüne Hochebene ist eingerahmt von Bergen wie Langkofel, Plattkofel, Schlern und Rosengarten und es ist traumhaft schön hier! Ich kann verstehen, dass so viele Leute her wollen.
Wir steigen beim Bergrestaurant Puflatsch aus der schaukelnden kleinen Gondel aus.
Hier oben ist außer dem Restaurant auch ein bekannter Aussichtspunkt - die Engelrast - und es starten von hier aus einige schöne Wanderrouten, zum Beispiel zu den sogenannten Hexenbänken.
Der Außenbereich des Bergrestaurants liegt wunderschön und hier oben auf über 2000 Metern ist es noch stiller als unten.
Und wir können noch weiter gucken.
Ich gehe auf einen der Tische mit Panoramablick zu und mein Kopf ist längst frei - so weit und frei wie der Himmel um uns herum, so fühle ich mich. Alles ist plötzlich gut. Überhaupt kein Stress mehr.
Hach, ich liebe Berge einfach!
Ich suche uns einen Tisch am Rand der Terrassse aus, weil man von dort am Besten in die Ferne schauen kann, und gehe darauf zu.
Tatti und Susi rufen mich zurück, weil er noch nicht trocken gewischt ist. Ich rebelliere, bringt aber nichts. Menno, seit wann stört uns so´n bisschen Raureif auf der Sitzbank?
Wir setzen uns anstatt dessen an einen der bereits vorbereiteten Tische auf der gepflasterten Terrasse. Und dann das: In der Karte ist kein Frühstück.
Oh. ... Huch. ... Nicht mal belegte Brötchen oder Brote oder so. ... Nur warme Gerichte und Kuchen.
Und nun?
Wir bestellen Pflaumenkuchen, Tiramisu, Käsekuchen und heiße Schokolade mit Sahne zum Frühstück. Das ist jetzt auch nicht die schlimmste Alternative.
Der Käsekuchen ist allerdings sahnig, was ich überhaupt nicht mag, aber der Ausblick auf die Bergwelt zusammen mit der warmen Schokolade im Mund reichen zum Glücklichsein.
Allmählich wird es voller auf der Terrasse. Musiker in Südtiroler Trachten gehen durch die Gänge und bauen am Rand der Terrasse Instrumente auf. Heute scheint hier ein Fest zu sein.
Vorsichtshalber google ich schnell nochmal ein Foto der Kastelruther Spatzen. Man weiß ja nie. Aber die sehen alle total anders aus. (Da wäre hier vermutlich auch sowieso wesentlich mehr los.)
Nach dem Kuchenfrühstück gehen wir zum Aussichtspunkt Engelrast. Es sind nur ein paar Schritte.
Es ist eine runde Plattform mit einem Mast in der Mitte, auf dem eine Engelsfigur schwebt.
Wir haben von dort einen 360°-Rundumblick über die Seiser Alm. Auf einer niedrigen Brüstung sind die Bergpanoramen mit den Namen und Höhen der jeweiligen Berge, die sich um uns herum befinden, dargestellt.
Viele glauben, einige Hügel der Seiser Alm - auch diese hier beim Puflatsch - seien uralte sogenannte Energieorte. Energielinien (Ley-Lines) würden aus den Hügeln Kraftorte machen, heißt es. Wanderer berichten von besonderer Ruhe, Klarheit und sogar leichter Gänsehaut.
Ich finde das - ehrlich gesagt - zumindest nicht abwegig, denn ich fühle mich auch besonders gut hier oben. Aber das ist ja auch nicht so schwer bei der Weite und dem wunderschönen Ausblick!
Auf jeden Fall ist es wirklich sehr schön hier und ohne Frage ist es ein ganz besonderer Ort!
Und später im Herbst, wenn es nicht mehr so voll ist, ist es bestimmt noch besser!
Vom Aussichtspunkt aus kann man eine zwanzigminütige leichte Wanderung zu den Hexenbänken machen. Das sind Felsformationen, die wie Bänke aussehen.
Wir aber fahren mit der Gondel wieder runter und gehen rüber zum nächsten Lift.
Von dort aus führt ein Panorama-Sessellift auf den gegenüberliegenden Berg.
Tatti und Susi wollen dieses Mal lieber unten bleiben und ich setze mich zusammen mit zwei älteren Paaren in einen der roten Sechser-Sessellifte.
Sie unterhalten sich angeregt auf Italienisch, was mich auf dem Weg nach oben einlullt.
Wir gleiten mit offener Abdeckhaube und bei schönstem Sonnenschein über die Menschen hinweg und schon nach vier Minuten ist der Zauber vorbei und ich muss aussteigen.
Auch hier ist es wieder sehr schön. Kühe grasen und das Gras ist frisch gemäht.
Die Seiser Alm wird nur während der schneefreien Monate genutzt. Im Herbst erfolgt der Almabtrieb, damit die Natur sich jedes Jahr mehrere Monate lang erholen kann.
Es wird darauf geachtet, dass nur so viele Tiere aufgetrieben werden wie die Weide ernähren kann. Es gibt keine Kunstdünger, keine Pestizide und es wird möglichst viel mit der Hand gemacht. Seltene Pflanzen sollen erhalten bleiben. Die Natur wird als Partner gesehen. Ist eigentlich selbstverständlich, aber klingt trotzdem richtig schön, oder?
Auf den Almwiesen wachsen viele Heilpflanzen wie Enzian, Arnika und Frauenschuh. Und in Vollmondnächten - erzählen die Einheimischen - tanzen die Hexen vom Schlern durch die Hügel und sammeln Kräuter. Wundervolle Vorstellung, da wäre ich bitte auch gerne dabei, Ladies!
Oben ist ein Bergrestaurant, auch wieder mit Bombenaussicht und auch wieder Startpunkt für schöne Wanderungen, zum Beispiel zu bekannten Schutzhütten wie dem Schlernhaus und der Tierser Alp Hütte.
An der hölzernen Rückseite der Liftstation entdecke ich zwei verwitterte Holzbänke, die mich locken. Sie wären prima geeignet zum Dasitzen und Zeitvergessen.
Aber Tatti und Susi warten ja unten. Deswegen gehe ich nur kurz zu einem Fotopoint, an dem man den Schlern durch einen Herzrahmen knipsen kann.
Ganz schön touristisch, aber egal.
Herz geht immer.
Zack. Foto.
Kleine Runde gehen und wieder zurück zum Sessellift.
Ich stehe in der Liftspur und warte, dass sich die nächste Liftbank von hinten nähert. Ich stehe ganz links, als ein Mitarbeiter mich auffordert, mich in die Mitte zu stellen.
Zum Glück sagt er das! Denn sonst wäre mein 6er-Sessellift in Schieflage nach unten gefahren!
Oh Gott, wie peinlich!
Als wir Susis Bulli wieder abgeholt haben, machen wir uns auf den Weg zu weiteren meiner Dolomiten-Favoriten.
Wir fahren über St.Ulrich und St.Christina durch das Grödnertal (Val Gardena) Richtung Sellajoch.
Es ist verrückt, dass plötzlich all die Namen, die sich im Winter zuhause beim Lesen der Reiseführer immer mehr zu Sehnsuchtsorten entwickelten, nun real geworden sind!
In Wolkenstein in Gröden taucht in der Ferne über dem Ort das mächtige Sella-Massiv auf.
Wow, ist das imposant!
Es ist riesig!
Wir wollen jetzt einen Schlafplatz beziehen und morgen Vormittag rund um den Sella-Stock fahren und dabei vier Dolomitenpässe befahren!
Kurz hinter Wolkenstein ist ein Wohnmobilstellplatz bei der Talstation der Piz-Sella-Seilbahn.
Der Platz gefällt uns sehr gut und wir beschließen zu bleiben. Es ist zwar nur ein Parkplatz, aber wir mögen es unkompliziert und die Lage ist sehr idyllisch.
Es ist erst dreizehn Uhr. Also haben wir jetzt ganz viel Zeit zum Nichtstun. Das ist gut.
Beim Aussteigen und Umsehen verschlägt es uns den Atem!
Vor unseren Schiebetüren bauen sich monströse graue Felswände auf. Wir haben das Sella-Massiv unmittelbar vor der Nase! Und hinter uns ragt der 3.181 Meter hohe Langkofel in die Höhe.
Holla, die Waldfee! Die ganz großen und ganz schroffen Bergriesen umarmen uns von beiden Seiten!
Mit offenem Mund verrecken wir unsere Köpfe in alle Richtungen. Solche Umgebungen liebe ich extrem! Es fühlt sich surreal an, wie in einem Märchen.
Wir gehen ein wenig herum und sehen uns alles an.
Wanderwege schlängeln sich von hier aus durch die grünen Hügel hinauf in die Berge.
Ein Gebirgsbach plätschert fröhlich durch eine Blumenwiese neben uns.
Heute schlafen wir in einem Berg-Paradies!
Man kann von hier aus mit einer modernen 10-er-Gondel in zehn Minuten zu einer der bekanntesten Skirunden der Dolomiten - zur Sellaronda - hochfahren. Sollte ich das heute noch machen?

Wir müssen aber erstmal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, müssen uns nämlich mal eben Gedanken über den Preis für die Übernachtung machen. Der Platz wird am Ende abgerechnet, je nach Anzahl der Stunden. Okay, es ist noch früh, also werden sich die Stunden läppern. In den Beurteilungen unserer Apps lesen wir, dass Leute teilweise fünfzig (!) Euro zahlen mussten. Oh Shit!
Wir versuchen, das Schild mit den Preisen zu verstehen und spekulieren auf ungefähr zwanzig Euro pro Fahrzeug. Das wäre ok, wenn es stimmt.
Wir einigen uns darauf es zu riskieren und zu bleiben. Wir werden morgen den Wecker stellen und früh wieder verschwinden.
Und jetzt ist Genießen angesagt!
Wir schlendern zum Bach und zu den Restaurants. Wir schauen uns an der Straße Menue-Tafeln an, aber nichts davon lockt uns.
Ich weiß auch gar nicht, ob ich noch eine Hose habe, die sauber genug ist für einen Restaurantbesuch.
Und ich will gerade eh viel lieber schmutzig sein und beim Baumstamm sitzen und mit den Bergen essen. Da können wir nämlich beim Essen so laut lachen wie wir wollen.
Aber es ist noch längst keine Essenszeit und zurück beim Wohnmobil nimmt sich jede von uns erstmal Zeit für sich.
Tatti macht nichts, denkt auch nichts, steht mal da und sitzt mal da und schaut auf die Berge. Sie ist der einzige Mensch auf der Welt, den ich kenne, der das kann, dastehen und nichts denken.
Susi sitzt im Campingstuhl, hat die Füße auf dem liegenden Baumstamm, knuspert Salzstangen, hört Musik und schreibt mit ihren Leuten in Deutschland. Sie liebt das.
Ich streune durch den Gegend, gehe zur Liftstation und beobachte die von den Bergen kommenden Leute. Ich überlege hin und her, ob ich mit dem Lift hochfahren soll, aber es lohnt sich heute Nachmittag nicht mehr. Und wozu auch? Wir haben heute schon so viel gesehen und ich finde es auch hier unten spannend.

Im Winter kommen hier die Skifahrer von den Bergen. Man kann durch geschickte Lift-Kombinationen eine Ski-Rundtour um das Sellamassiv machen, die sogenannte Sella-Runde. Das dauert den ganzen Tag und man fährt über vier Pässe, alles mit nur einem Skipass. Klingt echt majestätisch!
Jetzt im August kommen Mountainbiker von den Berghängen gebrettert. Ich muss echt aufpassen, dass ich nicht in deren Spur hineinlatsche und umgefahren werde! Sie kommen aus dem Nichts, sind plötzlich neben oder hinter mir, bremsen scharf, wirbeln Staub auf, sind dreckig und lächeln. Wenn sie Helm und Brille absetzen, sehen ihre Augen aus, als wären sie gerade in einem anderen - viel besserem - Universum unterwegs gewesen.
Von Mitte Juni bis Ende September kann man eine große Mountainbike Runde mit fantastischen Panoramen - die Sellaronda MTB Tour - fahren. Sie führt quasi um den Platz hier herum durch spektakuläre hochalpine Gebiete und behauptet von sich die schönste MTB Tour der Welt zu sein und starke Emotionen auszulösen. Glaube ich sofort!
Man könnte auch mit dem Rennrad auf den Passstraßen das Massiv umrunden oder auch eine mehrtägige Hüttenwanderung machen. An bestimmten Tagen, z.B. im Juni und September, werden die vier großen Dolomitenpässe sogar für den Autoverkehr gesperrt. Dann kann jede und jeder im eigenen Tempo die Passstraßen fahren. Das ist auch mit Ebikes bestimmt richtig schön!
Ich entdecke eine Bike-Repair-Station und eine Bike Waschanlage.
Den Ort hier merke ich mir unbedingt! Nächstes Mal planen wir ein, dass wir mit dem Lift hochfahren.
Hier gibt es auch ein Hotel mit einem einladenden Chillbereich auf einer großen Rasenfläche.
Nach und nach kehren Wandergruppen oder -paare aus den Bergen hier unten ein.
Zurück bei meinen Mädels hängen wir in unseren Campingstühlen ab, erfreuen wir uns an der Bergwelt um uns herum und essen Salzstangen.
Dann reichen meinem Bauch die Salzstangen nicht mehr.
Habt ihr ihr auch so' nen Hunger? frage ich in die Runde.
Nö kommt es von beiden Seiten wie aus einem Munde.
Ich bin echt gestraft mit zwei Mitreisenden, die nie Hunger haben.
Eine halbe Stunde später wollen sie zum Glück dann aber doch auch etwas essen und wir holen alles raus zum Kochen.
Grillwürste brutzeln in der Pfanne und im Omnia garen Kartoffelspalten.
Während leckerer Grillgeruch über den Platz und in unsere Nasen zieht, zieht sich der Himmel bedrohlich dunkel zu.
Und während wir essen braut sich ein Gewitter über uns zusammen. Mit dem letzten Happen wird es auf Schlag duster.
Wir springen auf und packen im Affenzahn alles zusammen, stellen das Geschirr rein, klappen Tisch und Stühle zusammen und schieben alles in die Heckgarage. Puh, gerade so geschafft!
Als alles verstaut ist und wir von innen die Schiebetür zuziehen, prasseln auch schon dicke Regentropfen auf' das Wohnmobildach.
Jetzt ist es stockdunkel draußen. Dann donnert es auch schon so ohrenbetäubend, dass ich die Luft anhalte. Und immer wieder setzen Blitze die Berge und den Platz in grelles Licht.
Hannes hechelt und bellt. Um ihm den Stress zu nehmen, machen wir alle Rollos runter, schalten den Fernseher ein und ich kraule ihm sein Fell. Der Regen wird immer lauter. Dann hagelt es. Ich will vorsichtshalber nicht unter unserem Heki (Dachluke) sitzen und setze mich um.
Tatti lacht.
Was? sage ich mit vorwurfsvollem Blick.
Sie lacht wieder.
Meine Angstschwelle ist niedriger als ihre. Das kenne ich schon.
Wie groß soll denn deiner Meinung nach so ein Hagelkorn sein? fragt sie.
Wer weiß? Hier in den Bergen, antworte ich.
Ich warte und lausche. Der Lärm klingt dramatisch. Es ist aber auch urgemütlich in unserer Höhle.
Tatti guckt unbeeindruckt eine alten Tatort.
Meinst du, dass das normal ist hier so oder gerade ganz besonders schlimm? frage ich jetzt.
Keine Ahnung, sagt Tatti.
Wegen Schlammlawinen und so, ergänze ich.
Blödsinn, sagt sie.
Na gut. Aber Fakt ist, dass wir uns in den Bergen nicht auskennen.
Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und wir schlafen nach dem alten Tatort mit monotonem Regenprasseln ein.
Schlafplatz am Sella-Pass:
