Heute brechen wir unsere Zelte an Hvars Nordufer ab und fahren zum südwestlichen Teil der Insel in den kleinen Ort Mala Milna zum gleichnamigen Camping Resort.
Vom neuen Campingplatz werden wir nur gut fünf Kilometer mit dem Fahrrad bis in die Stadt Hvar fahren müssen.
Der Platz liegt direkt am Wasser unter hohen Bäumen.
Vor dem Haupttor ist eine kleine Bucht mit Strand und gegenüber der Bucht sind ein paar Häuser an den Hang gebaut.
Wir wählen einen Platz vorne am Wasser für unser Wohnmobil und Susi manövriert ihren Bulli eine Etage höher.
Jetzt hat sie uns von ihrem Spähposten aus Tag und Nacht im Blick.
Als Allererstes decken wir den Frühstückstisch unter einem Baum am Wasser mit frischen Früchten, Brötchen, Eiern, Orangensaft und herrlich duftendem Kaffee.
Es ist auch schon wieder nach elf Uhr.
Wie wir da zu dritt frühstücken ist gerade wieder einer der schönsten Momente und ich will ihn mir unbedingt in meiner Erinnerung gut bewahren - die Sonne, das Blau der Bucht und den Geschmack von Orangensaft.

Beim Wegräumen der Frühstückssachen freue ich mich, dass ich morgen früh wieder vom Bett aus aufs Wasser schauen kann.
Nach dem Frühstück bekommt Jelsa erstmal ein Herzchen auf der Landkarte.

Im Nordosten Kroatiens haben wir ja schon einige Ecken erkundet.

Jetzt füllt sich der Süden meiner Kroatien-Landkarte auch allmählich.
Ich bin eine Glücksortesammlerin.
Dabei bin ich gar nicht auf der Suche nach dem Glück.
Es kommt zu mir. Ich fahre nur mit offenen Augen herum und und gebe auch Dingen eine Chance, die auf den ersten Blick öde, hässlich oder doof sind.
Den Rastoke-Wasserfällen im Regen zum Beispiel. Man hat immer die Wahl, sich über Dinge aufzuregen oder den Fokus auf das Gute zu legen.
Eine Bekannte hat mal zu mir gesagt, dass es in Wirklichkeit ja gar nicht so schön ist wie auf meinen Fotos und dass ich die hässlichen Dinge nicht mit fotografiere, Müllcontainer und so. Ne, genau. Warum sollte ich das tun?
In meiner Wirklichkeit ist es schön. Ich muss ja nicht zu den Mülleinern schauen.

Wir sind hierher gekommen, um zum fünf Kilometer enfernten Hauptort der Insel, der genauso wie die Insel (Hvar) heißt, zu radeln.
Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg.
Die Strecke hat es in sich. Zwischen uns und der Stadt Hvar liegt nämlich ein hoher Berg und es gibt keinen Weg unten am Wasser entlang. Wir müssen also ordentlich in die Pedalen treten.
Als wir oben sind, können wir auf den Campingplatz und die Häuser des Ortes in der Bucht hinunterschauen.
Unsere liebe Susi hat bisher nicht solche Berge mit ihrem Ebike besucht und merkt nun zum ersten Mal, dass ihr Nostalgierad zwar bezaubernd schön, aber ganz schön schwer und in solchen Momenten irgendwie nicht so praktisch ist.
Sie hängt hinterher, will aber auch nicht, dass ich hinter ihr her fahre.
Sie flucht vor sich hin und empört sich über die Strecke, echt zum Schieflachen. Wir lachen sowieso sehr viel auf dieser Reise. So soll es ja auch sein.
Wir lassen uns dann eine steile lange Straße hinunter in den Ort rollen.Wow, das geht ganz schön schnell!
Die Stadt Hvar soll einer der schicksten Orte der kroatischen Adria sein. Er wird das Saint Tropez der Adria genannt.
Ich bin gespannt!
Wir stellen die Räder am Rande des Trubels ab und gehen Richtung Hafen, wo wir erstmal auf buntes Treiben treffen.
Es ist gerade eine Sportveranstaltung in der Stadt. Auf einem alten Platz haben sie ein Basketballfeld aufgebaut und es ist laut und lebhaft.
Auch rund um das Hafenbecken pulsiert das Leben.
Aus den Hotels kommen Touristen mit Rollkoffern und Familien mit Kindern tummeln sich auf der Hafenpromenade ebenso wie ältere Paare.
Es gibt viel zu gucken, die vielen verschiedenen Boote und Urlauber, die alten Gebäude, Palmen, das Meer, Läden und Verkaufsstände.
Und im Hintergrund thronen die dicken Mauern der spanischen Festung.
Vieles spielt sich hier auf dem Wasser ab.
Leute kommen und gehen per Boot und unzählige Boote zeugen davon, dass das Meer hier Einiges zu bieten hat.
Die vor der Küste liegenden Pakleni-Inseln zum Beispiel. Sie sind Hvars Hauptausflugsziel in die Natur und bestehen aus 20 kleineren Inseln und Felsgruppen. Sie sind von kristallklarem Wasser umgeben, bewaldet und unbewohnt und haben viele einsame Buchten und Strände zu bieten. ABer heute ist die Stadt dran.
Vielleicht fahren wir da ja ein anderes Mal mal hin. Mein Leben braucht noch jede Menge andere Male, merke ich gerade mal wieder. Hoffentlich haut das noch hin.
Wir gehen bis zum Ende der langen Promenade am Schiffsanleger.
Hier legen die Fähren zu den Paklenica-Inseln, nach Split und nach Korčula und auch zu anderen Inseln ab.
Man kann von hier sogar auch nach Ancona in Italien kommen.
Irgendwie witzig, dass wir mit dem Schiff in 15 Stunden in Italien sein könnten.
Die Toskana oder Umbrien kommen mir gerade vor wie eine komplett andere Welt.
Am Ende des Anlegers gehen wir um eine Kurve und befinden uns in einer ruhigen kaum besuchten Bucht bei einer idyllisch gelegenen Kirche.
Zurück im Geschehen läuft gerade wieder so ein schwimmendes Hotel für Radfahrer-Touristen ein.
Man kann auf den kroatischen Inseln so wunderbar vielseitigen Aktivitäten nachgehen, nicht nur wandern und radeln sondern natürlich auch sämtliche andere Sportarten auf, im und unter Wasser.
Das Wasser ist überall.
Und es ist überall kristallklar, weil es kaum Sandstrände gibt, so dass fast nirgends Sand das Wasser trüben kann.
Ich bestaune all die unterschiedlichen Boote und freue mich darüber, dass Hvar so fotogen ist und sich im Sonnenschein auch gerade von seiner besten Seite und in sämtlichen Blautönen zeigt!
Wir setzen uns auf eine Terrasse und erfrischen uns mit kalten Getränken und ich stöbere zwischendurch in einem Hippiladen herum.
Zum Abschluss unseres Besuches dieser kleinen märchenhaften Stadt macht Susi es sich mit Hannes unter einer Palme gemütlich.
Und Tatti und ich radeln eine steile Straße zur spanischen Festung Španjola hoch.
Es ist sehr schön ruhig hier oben und wir haben einen atemberaubenden Weitblick auf das Hafenbecken, das Meer und die kleinen Paradiesinseln.
Die Festung war übrigens niemals in spanischer Hand, sondern heißt spanische Festung wegen ihrer spanischen Bauingenieure und Bauarbeiter. Wie verrückt ist das denn?
Ich bin froh, dass wir hier hochgefahren sind.
Wir streunen durch die Burgräume und der Blick hinunter zum Hafen zieht mich immer wieder an.
Wie wunderbar man den Leuten auf den Kopf schauen kann! Ich habe alles im Blick, wie in einem Wimmelbuch.
Ich folge den Strecken einzelner Personen und finde das superwitzig. Ob uns vorhin da unten auch Jemand von oben beobachtet hat?
Wir schauen uns einen kühlen und schattigen Kerker an und ich schaue mich danach auch noch in zwei oben liegenden kleinen Läden mit Souvenirs und schönem Schmuck um.
Ein Restaurant mit toller Panaromaterrasse gibt es auch.
Und es ist fast nichts los hier oben. Superangenehm!
Und dann sehen wir plötzlich dunkle Regenwolken am Himmel.
Wie jetzt?
War doch gerade total blau, der Himmel.
Regenkleidung haben wir natürlich nicht mit. Tatti und ich wollen versuchen, mit Susi noch vor dem Regen zurück zu sein.
Also gehen wir zügig zurück zu den Rädern und lassen uns nach unten rollen.
Die Fahrräder nehmen bergab ganz schön Fahrt auf und es macht einen Mordsspaß im Fahrtwind hinunterzurauschen vom Berg.
Mit Schwung landen wir unter Susis Palme, bremsen scharf und zeigen vorsichtshalber nicht zum Himmel, treten aber zügig die Heimfahrt an.
Wir schaffen immerhin zwei Kilometer ohne Regen.
Dann gießt es wie aus Eimern!
Ich finde es total abenteuerlich, mich auf dem Fahrrad klitschnass dem peitschenden Regen entgegenzustemmen!
Das Wasser läuft mir überall am Körper hinunter. Ich bin am Leben! Das tut gut!
Susi findet das richtig kacke, glaube ich. Sie lächelt gar nicht mehr.
Kurz nachdem wir uns im Wohnmobil umgezogen haben, hört der Regen auch schon wieder auf.
Die Sonne ist wieder da, aber Susi ist nirgends zu sehen. Wahrscheinlich muss sie den Berg- und Regenschrecken erstmal wegschlafen.
Tatti und ich spazieren zum kleinen Strand vor dem Tor des Campingplatzes und zum gegenüberliegenden Ufer der kleinen Bucht.
Eine schmale Straße führt dort leicht bergauf am Wasser entlang.
Links davon sind Restaurants und Hotels und rechts von der Straße liegen die kleinen Terrassen der Restaurants am Hang über dem Meer in der Abendsonne.
Wir gehen bis zum Ende des Dorfes und schauen auf dem Rückweg, welches Restaurant uns für unser Abendessen heute reizen würde.
Zurück vor dem Tor des Campingplatzes spazieren wir außen am Zaun entlang auf einem Holzsteg über die Felsen und dann einen Kiesweg entlang.
Wir entdecken hinter dem Campingplatz eine zweite Bucht mit einem zauberhaften Restaurant direkt am Strand und reservieren einen Tisch.
In der Bucht gehen drei Leute gerade zum Schwimmen ins Wasser.
Zwei Mütter spielen am Wasser mit ihren Kindern mit Kechern und Eimern.
Wir entdecken eine Pforte, die von hier aus zurück auf den Campingplatz führt und wir sind in wenigen Schritten bei unserem Wohnmobil.
Wir praktisch, unsere kleine Schlemmer-Entdeckung an der Hintertür!
Susi hat Lust auf das Restaurant, so dass wir auch schon bald wieder die wenigen Schritte zurück zu unserem Restauranttisch in der romantischen Bucht gehen.
Wir bestellen typisch kroatische Gerichte und speisen in der schönen Abendstimmung am Meer.
Die Sonne verschwindet hinter dem Hügel während wir essen und Susi kann schon lange wieder lächeln.
Nach dem Essen gehe ich in ein großes Handtuch gewickelt den Hang hoch zu den Duschen.
Es ist so leer auf dem Platz, dass ich das einfach mache. Es ist sehr praktisch. Ankommen, Handtuch an den Haken hängen, duschen, Handtuch wieder umwickeln und zurückmarschieren.
Wir lassen den Abend vor unserem Wohnmobil mit Blick auf die Lichter des Dorfes und mit einem hippen Nusslikör ausklingen.
Unser heutiger Schlafplatz zwischen Bucht mit Restaurant und dem Dörfchen Milna:
