Tag 14    Vom hellblauen See zurück in die Toskana.

See Trasimeno und Abtei di Farneta (Umbrien und Toskana).

 

 

Am nächsten Morgen ist der Himmel wieder blau.

 

Wir treffen uns mit unseren Kaffeebechern an der Mauer am Parkplatzrand.

 

Wir sitzen dort zum Wachwerden, schauen hinunter in den Urwald und besprechen, ob wir wirklich noch knapp vierzig Minuten weiter fahren wollen zum Wasserfall Cascata della Marmore, den Susi gerne sehen wollte. 

 

Wir sehen uns die Rezensionen an. Künstlich geschaffen und Teilbereiche nur mit Führung und 10 Euro-Ticket steht da. Darauf haben wir keine Lust. 

 

Umbrien und Marken sind sicherlich auch cool, aber dieses Mal wollten wir ja eigentlich nur die Hochebene besuchen und haben in der Toskana noch so viele Dinge auf unserer Liste.

 

Also machen wir uns auf den Weg zurück in die Toskana.

 

Wir passieren Spello, Assisi und Perugia wieder und sind nach einer Stunde zurück am Trasimenischen Meer. 

 

Wir parken am Hafen von Passignano sul Trasimeno und werfen einen Blick auf die Einfahrt des Campingplatzes. Er liegt direkt am Seeufer und hat eine große Poolanlage.

 

Bleiben? überlegen wir. 

 

Ne. Nur durch den Ort gehen und dann weiter, beschließen wir.

 

Dann gehen wir am Ufer entlang in die andere Richtung, wo sich der Ortskern befindet. 

 

Passignano sul Trasimeno gehört nicht gerade zu den durchgestyltesten oder besonders schönen Orten.

 

Der Ort wirkt, als würden sich hier die Urlauber zusammenfinden, die nicht ganz so viel Geld haben, einfach nur den Blick genießen, zusammen Zeit verbringen und gesellig frischen Fisch, Trüffel oder Wildgerichte essen und ab und zu am Pool abhängen wollen.

 

Hinter den Häusern am Ufer erhebt sich die Rocca, eine mittelalterliche Festung, von wo aus man einen schönen Blick auf den See haben soll. 

 

Passignano sul Trasimeno ist ein Seestädtchen am größten See Mittelitaliens, dem Lago Trasimeno.
Passignano sul Trasimeno ist ein Seestädtchen am größten See Mittelitaliens, dem Lago Trasimeno.
Die zum Spazierengehen und Radfahren gerne genutzte Uferstraße in Passignano Sul Trasimeno am Lago Trasimeno
Die zum Spazierengehen und Radfahren gerne genutzte Uferstraße in Passignano Sul Trasimeno am Lago Trasimeno

 

In zentraler Lage am Seeufer befindet sich ein 4-Sternehotel mit Pool. 

 

Wir schlendern durch eine kleine Fußgängerzone und Susi und ich stöbern in den Geschäften und ich kaufe regionalen Weißwein. 

 

Wir entdecken süße Sitzecken, farbenfrohe Dekotafeln und kleine Mosaike in der Strandpromenade. 

 

Im Laden Namaste, was ich verbeuge mich vor dir heißt, kann ich mich gar nicht sattsehen an all den schönen Hebbetjes und kaufe einen bezaubernden kleinen farbenfrohen Kaffeezubereiter und Geschenke zum Mitbringen, auch einen weichen  Schnüffelhasen für mein drittes Enkelkind, das wir erwarten.

 


Man kann von hier auch auf eine kleine Insel im See fahren.

 

Es ist die Isola Maggiore. Dort gibt es einen kleinen Fischerort mit Flair und Olivenhaine. 

 

Als wir in der kleinen Fußgängerzone alles gesehen haben, fahren wir im Bogen um den See herum und sind zurück in den toskanischen Hügeln.

 

Das fühlt sich richtig an. 

 

Zurück in die Toskana im Val di Chiana
Zurück in die Toskana im Val di Chiana

 

Wir sind jetzt im Val di Chiana und suchen einen ungestörten Ort zum Bleiben. Am besten mit schönem Blick. 

 

Man soll laut Park4Night-App bei einer Kirche - der Abbazia di Farneta - mit dem Wohnmobil übernachten dürfen. Die Kirche liegt auf einem Hügel und war mal Teil einer Benediktinerabtei. 

 

Wir parken auf einem Schotterplatz im Schatten einer alten Pinie. 

 

Abtei die Farneta - auf einem Hügel hinter Bäumen
Abtei die Farneta - auf einem Hügel hinter Bäumen

 

Als wir aussteigen hören wir die Grillen zirpen. Sonst hört man nichts. Es ist erst vierzehn Uhr und wir freuen uns über eine Pause von all den immer neuen Eindrücken.

 

Es ist Niemand hier, es ist urig und der Platz kostet uns nichts. Ein Schlafplatz mit kirchlichem Flair. 

 

Kleines bedeutsames Kloster Abbazia di Farneta im Südosten der Toskana
Kleines bedeutsames Kloster Abbazia di Farneta im Südosten der Toskana

 

Der Blick hinaus auf die Hügel südlich von Cortona ist sehr schön und die alten Mauern haben etwas Beruhigendes an sich. 

 

Gute Parkmöglichkeiten bei der Abtei
Gute Parkmöglichkeiten bei der Abtei

 

Wir holen unsere Campingstühle und den Tisch raus und hoffen, dass Niemand etwas dagegen hat. Aber wir sind auch ganz alleine hier oben auf dem Hügel. Ich gehe erstmal um die Kirche herum.

 

Eidechsen huschen vor meinen Füßen aus dem tiefen Gras weg und verschwinden in Mauerritzen. Ich fasse den Türgriff an. Die Tür ist nicht verschlossen. 

 

In der Kirche ist es kühl und es spielt leise Musik. 

 


Ich schlürfe in luftigen Zehensandalen herum und sehe mir alles in Ruhe an, setze mich dann in eine Kirchenbank und lasse den Ort auf mich wirken.

 

Es ist schön, im Italien der Italiener zu Besuch zu sein und nicht am Pool eines Hotels. 

 

Bevor ich zurückgehe, schreibe ich in ein ausliegendes Gästebuch, dass ich dankbar bin für die Beherbergung und dass es gut tut, hier zu sein. 

 


 

Wir verbringen den Nachmittag lesend, durch den Olivenhain streunend und vor uns hin dösend.

 

Dunkle Wolken über Abtei und Olivenhain
Dunkle Wolken über Abtei und Olivenhain
Toskanische Landschaft im Val di China
Toskanische Landschaft im Val di China

 

Irgendwann kommt Tatti aus der Kirche und sagt, dass sie unter dem Altar eine Krypta entdeckt hat.

 

Ich gehe nochmal mit ihr zusammen in die Kirche und sie geht beherzt zum Altar und dort eine Treppe hinunter.

 

Und ich neugierig hinterher. 

 

Dort sind drei Gewölberäume und an der Wand lehnt eine einfache schmale Holzbahre. Ich habe Gäneshaut.

 

Hier wurden die Toten aufgebahrt, tippt Tatti. Stimmt aber nicht ganz, finde ich heraus.

 

Sie haben die Toten hier unter dem Altar beigesetzt. Sie liegen also unter unseren Füßen . Die Krypta war für die Menschen so etwas wie der Warteraum zum Himmel. Sie glaubten, dass unter dem Altar die Gebete der Hinterbliebenen zuerst gehört werden würden.   

 

Die Decke ist niedrig und es ist unheimlich.  Und wir stehen über den Gebeinen tausend Jahre alter Tote in Leinentüchern. 

 

Eine Zeitlang verfiel das Kloster und man hat die Krypta zugeschüttet und auch den Innenraum als Grab genutzt. 1940 wurde die Krypta wiederentdeckt, ausgeräumt und restauriert. 

 

Im Erdreich fand neben man Schutt und Schlangen und menschliche Knochenreste. 

 

Oh Gott, was für ein unheimlicher Ort!

 

Fröstelnd tauchen wir wieder auf aus dem Totenkeller.

 

Neben dem Altar zündet Tatti - in ihren Adiletten wohlgemerkt - und mit feierlicher Miene eine Kerze an und wir gehen zurück in die toskanische Sonne. 

 


Ich gebe einem älteren Paar, das zum Picknicken mit einem kleinen Auto hochgekommen ist, zwei Eis aus unserem Tiefkühlfach aus.

 

Sie freuen sich und ich freue mich darüber, dass sie sich freuen. So einfach ist das. 

 

Der Kirche ist anzusehen, dass Jemand sich um alles kümmert, aber wir bekommen Niemanden zu Gesicht. Was die oder der wohl über uns denkt? Wenn die Person wüsste, wie schön es ist,  dass uns die Tür in der Fremde so selbstverständlich offen steht! 

 

Susi duscht wieder zwischen den Wohnmobilen und Tatti steht Wache an der Auffahrt.

 

Ich fühle mich wie früher beim stundenlangen Draußenspielen und Zeitvergessen mit meiner Freundin Heike. 

 

Danach sitzen wir im Kreis auf den mittelalterliche Steinbänken, essen was und der Himmel ist jetzt rot. 

 

Um zwanzig Uhr läuten die Glocken mit ohrenbetäubendem Lärm den Abend ein. 

 

Halb zehn ist es dunkel und die Kirche ist tiefschwarz. Durch ein kleines Fenster ist nun das rote Licht der Kerzen auch hier draußen deutlich zu sehen. Das Rot der Votivkerzen steht übrigens unter anderem für Leben und Liebe. Hach ja. Genau das wollen wir doch alle!

 

Heute Nacht dürfen wir also in einer magisch-schönen Atmosphäre zusammen mit den Geistern der Vergangenheit, dem Licht des Lebens und der Liebe und der Hoffnung auf ewiges Leben schlafen. 

 

Aber im nächsten Jahr wird bei Park4Night stehen, dass man nur noch tagsüber bei der Abtei parken sollte, also nicht nachmachen, Leute! 

 

Roter Schein der Altarkerzen bei unserem Nachtlager
Roter Schein der Altarkerzen bei unserem Nachtlager

Heutiger Schlafplatz im Schutz einer Kirche:

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