Tag 19 Bunte Hafenstadt im Mittelmeer.

 Portoferraio (Elba) & Stellplatz Macchia Verde in Santa Luca bei Pisa (Toskana).

 

 

Elba, wir kommen! Und zwar ohne Wohnmobile. 

 

Mein Elba auf der Landkarte erwacht heute zum Leben. Noch stehe ich in Piombino, aber Elba wartet da hinten schon auf uns.
Mein Elba auf der Landkarte erwacht heute zum Leben. Noch stehe ich in Piombino, aber Elba wartet da hinten schon auf uns.

 

Zum Fährhafen brauchen wir zehn Minuten zu Fuß und es geht nur bergab. Ticketschalter, Treppe hoch zur Fähre, aufs Sonnendeck gehen und hinsetzen. Fertig.

 

Um neun legen wir ab und nehmen Kurs auf Elba. Es sind zwar nur zehn Kilometer, aber eine Inseln zu besuchen ist für mich immer wie der Besuch einer anderen Welt. 

 

Aber zunächst genießen wir den leichten Fahrtwind, das Glitzern des Meeres und den Blick auf die vorbei ziehende Küstenlinie.

 

Dort ist der Hügel, dann die Steilküste mit dem Friedhof und daneben unseren Wohnmobilstellplatz. Und dann tauchen auch schon Piomnbinos Häuser und die Mole mit dem kleinen Leuchtturm auf. 

 

Wenn wir nachher zurückkommen, wird es noch stressig, weil unsere Wohnraumbatterien und somit auch der Kühlschrank ausfallen. Und das bei der Hitze! Aber davon ahnen wir jetzt noch nichts. 

 

Entspannt und ahnungslos schauen wir vom Schiffsdeck aus in die Gegend.

 

Dieses Mal andersherum. Jetzt blicken wir von der Fähre zurück auf Piombinos Häuser, die Mole und den Leuchtturm.
Dieses Mal andersherum. Jetzt blicken wir von der Fähre zurück auf Piombinos Häuser, die Mole und den Leuchtturm.

 

Die Sonne, das Meer, meine Vorfreude und das gleichmäßige Schaukeln versetzen einen in eine Art Trance.

 

Und im Sonnenschein ist die Welt auch gleich viel schöner!

 

Moby Lines ist bekannt für seine großflächigen knalligen Comicfiguren auf den Schiffsrümpfen. Die Reederei setzt auf Wiedererkennungswert, insbesondere bei Familien mit Kindern.
Moby Lines ist bekannt für seine großflächigen knalligen Comicfiguren auf den Schiffsrümpfen. Die Reederei setzt auf Wiedererkennungswert, insbesondere bei Familien mit Kindern.

 

Das Erste, was wir von Elba sehen, ist eine Landzunge mit dem Forte Stella und einem kleinen Leuchtturm davor. 

 

Hinter dem Forte Stella ist das Haus, in dem Napoleon wohnte als er auf Elba im Exil war. Der hätte uns hier auf der offenen See längst erspäht.  

 

Portoferraiso taucht hinter einer Landzunge mit dem Forte Stella und seinem Leuchtturm auf.
Portoferraiso taucht hinter einer Landzunge mit dem Forte Stella und seinem Leuchtturm auf.

 

 Portoferraio besteht aus einer großen Bucht mit Hafen und pastellfarbenen Häusern an den Hängen. Und aus zwei Burgen und an der Rückseite ist auch ein großer Strand.  

 

Zwischen den beiden Festungen und Napoleons Villa gibt es unterirdische Verbindungen. Teile davon sind noch heute vorhanden. 

 

Der Hafen liegt geschützt in einer Bucht.
Der Hafen liegt geschützt in einer Bucht.

 

Bei den Angriffen muss es hier ganz schön gekracht haben. Mit was für Ängsten die Leute frühe in dieser Idylle leben mussten!  

 

Im Hafen liegt ein riesiges Schiff, das - schade, schade - den schönen Blick empfindlich stört.

 

Wir gehen am Hafen entlang zur Altstadt und tauchen ein in die engen Gassen an den Hängen. Ich staune, wie ruhig und beschaulich alles ist. Das ist im Juli und August bestimmt anders. Jetzt im September kehrt scheinbar Ruhe ein auf der Insel. Ganz schön früh im Jahr. Verstehe ich gar nicht, denn das Wetter ist doch noch richtig schön!

 

Der Weg zur Altstadt führt den Hang hoch und man muss ein bisschen suchen im Gassengewirr.
Der Weg zur Altstadt führt den Hang hoch und man muss ein bisschen suchen im Gassengewirr.

 

Die Gassen der Altstadt sind ganz schön steil.

 

Es gibt auf unserem Weg nach oben so gut wie keine Geschäfte oder Läden, nur Fassaden mit geschlossenen Fensterläden. Es ist so ganz anders anders als auf einer kroatischen Insel oder auch in Lucca oder Siena. 

 

Zuerst fällt auf, wie ruhig es in der Altstadt ist und das es hier am Hang kaum Läden gibt.
Zuerst fällt auf, wie ruhig es in der Altstadt ist und das es hier am Hang kaum Läden gibt.

 

Auf einem kleinen Platz weiter oben ist vor einer Art Gemeinschaftshaus ein kleines Fest. Es stehen ein paar Tische und Stühle da. Und Im Schatten einer Platane singt eine Frau fpür eine Handvoll Leute in ein Mikrofon, begleitet von einer zweiten Frau an einem Keyboard.

 

Ich lehne mich an eine steinerne Brüstung, schaue auf das Meer und höre der hingebungsvollen Stimme zu. Ich verstehe zwar nichts, finde es aber schön.

 

Meinetwegen könnten wir uns dazu setzen und ein bisschen mitfeiern. Ich sehe mich nach Tatti und Susi um. 

 

Sie sind schon weiter gegangen und warten unter einem Straßenschild an einer Häuserecke. Als ich zu ihnen komme, machen sie sich lustig über das Lied. Sie finden es schnulzig. 

 

Ich sage ihnen, dass sie unromantisch sind. Sie lachen. 

 

Liebe Leute, ich brauche Verstärkung. 

 


Die Frau hat mich inspiriert, zuhause wieder mehr Straßen-, Stadt- oder Dorffeste mitzunehmen. In der Ferne ist immer alles so klar, was man im Alltag falsch macht, in meinem Fall, zu wenig Feste feiern.  

 

Napoleons Residenz - die Villa dei Mulini - liegt gelb und verlassen in der Sonne neben dem Forte Stella. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude und hinter dem Haus ist ein Hanggarten. Auf dem Vorplatz hängen große Schwarz-Weiß-Bilder, die aussehen wie Filmszenen. 

 

Hier hat er sich also aufgehalten und seine Rückkehr nach Frankreich vorbereitet. Er hat sich ca. tausend Bücher hochbringen lassen. Die hat er in dem Jahr nie und nimmer gelesen. Echt beruhigend, dass auch ein Napoleon solche unnötigen Dinge macht. Ich kaufe auch am liebsten Bücher, insbesondere Reiseführer. 

 

Vom Vorplatz der Villa können wir hinunter in einen Schacht mit Fenstern und Türen schauen. Es stehen dort unten Tische und Stühle und Wäscheleinen mit Wäsche. 

 

Da wohnen Leute? 

 

Das ist skurril.  Vielleicht waren es mal Unterkünfte der Soldaten. Ich weiß es nicht. Richtig schräg finde ich das! Da kann man doch nicht wohnen!

 

Hm, ist bestimmt superbillig. Anders kann ich es mir nicht erklären. 

 

Wohnungen in einem Graben vor Napoleons Haus
Wohnungen in einem Graben vor Napoleons Haus

 

Wir wollen weder die Festungen, noch die Villa Napoleons besuchen und gehen wieder hinunter Richtung Hafen. 

 

Die Herbstsonne taucht die Häuser in goldenes Licht und macht lange Schatten. Egal, welche Straße wir jetzt nehmen, sie führen alle zum Hafen.  

 

Straße in Portoferrairos Altstadt
Straße in Portoferrairos Altstadt

 

Mein Fazit ist, dass die Stadt einen nicht einfach so willkommen heißt. Sie wirkt bei unserem kurzen Besuch irgendwie ein bisschen stolz und abweisend. Das kann natürlich auch Zufall sein.

 

Und wir sind auch ein bisschen verwöhnt vom herzlichen Kroatien und von der romantischen Provence. 

 

Italien ist eben anders.

 

Tor mit alter Inschrift in Porteferraio auf Elba und dahinter eine Burg
Tor mit alter Inschrift in Porteferraio auf Elba und dahinter eine Burg

 

Auf halber Höhe entdecke ich ein Tor mit verwitterter Inschrift. Vielleicht war es mal eine Schule, ein Kindergarten oder ein Waisenhaus - ich weiß es nicht, sieht aber interessant aus. Ich habe heute keine Lust zu recherchieren, ist ja auch egal. Ich bin müde und will was essen. 

 

Der Piazza de la della Repubblica ist zwar ein kleines Juwel, dient aber als Parkplatz, was sehr schade ist. Also gehen wir weiter. 

 

Unten am Hafen treffen wir wieder auf mehr Menschen und auf Läden, Cafés, Lounge-Bars und Restaurants. 

 

Wir setzen uns in den Schatten vor die Gelateria Gran Guardina und holen uns eine Kleinigkeit zu essen und Kaffee. 

 

Durch einen Torbogen des Porta di Mare können wir ein Segelboot im Hafen liegen sehen sehen. 

 


 Es ist ein friedlicher Mittag auf dem kleinen Platz. 

 

Piazza Cavour in Hafennähe
Piazza Cavour in Hafennähe

 

Nach unserem Snack spazieren wir auf der Hafenmauer um den Hafen herum bis zum Ende der Landzunge und schauen noch einmal auf die komplette Altstadt.

 

Hafenbecken von Portoferraio
Hafenbecken von Portoferraio

 

Hier im inneren Hafen liegen Sportboote und Privatyachten und ein Stück weiter entdecken wir kleine Fischereiboot.  Die Fähren legen weiter hinten an. 

 

 Ein Minizug mit Touristen kurvt durch die Gassen und Motoroller und Mopeds sind allgegenwärtig.. Sie sind superpraktisch auf den engen Küstenstraßen, zum Parken in den Dörfern und zum schnellen Erreichen von kleinen Buchten.

 

Ich will unbedingt auch nochmal einen Motorroller mieten in Italien, am Liebsten an der Amalfiküste.   

 

Wenige Meter vom Hafen entfernt - an der Rückseite von Portoferraio - kommen wir zum gut besuchten Stadtstrand, dem Le Ghiaie. 

 

Wir flanieren über die Promenade und lassen unser Gesicht von der Sonne wärmen.

 

Der Strand ist strahlend weiß und blendet und besteht aus kleinen Kieselsteinen. Wenn man darüber geht, knistert es. Die Einheimischen nennen das das "Atmen des Strandes". 

 

Wie cool das ist, wenn man sich mal eben in der Mittagspause an den Strand auf Elba legen kann! Kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Leute einfach so ihren Alltag in diesem kleinen Paradies haben! 

 

Stadtstrand von Portoferraio auf Elba
Stadtstrand von Portoferraio auf Elba

 

Unschlüssig beraten wir uns und finden alle drei, dass wir genug gesehen haben und zurück wollen. 

 

Portoferraio war interessant, aber viel unspektakulärer als ich erwartet habe. Wir haben aber ja auch die Umgebung und die ganzen Buchten und anderen Inselorte nicht gesehen. Die sind auf jeden Fall spektakulär, nehme ich an. 

 

Fähre von Mobylines mit Batman
Fähre von Mobylines mit Batman

 

Als wir die Seitentür vom Wohnmobil aufschieben, kommen uns Affenhitze und ein eindringender Piepton entgegen. 

 

Shit, was ist das?

 

Es ist der Kühlschrank, stellen wir schnell fest, denn er bekommt keinen Strom mehr. Unsere Lithiumbatterien sind leer. 

 

Oder defekt. Wir wissen es nicht, brauchen aber nun auf jeden Fall erstmal Landstrom, um ihnen einen neuen Impuls zu geben. 

 

Nach einer Stunde und 76 km fahren wir auf den Wohnmobilstellplatz Macchia Verde am Ortsrand von Santa Luce in der Region Pisa. Der liegt auf der Strecke, den morgen wollen wir nach Pisa. 

 

Unterwegs auf der Suche nach Landstrom
Unterwegs auf der Suche nach Landstrom

 

Der Platz ist toll, günstig und hat alles.

 

Wir lassen Abwasser ab, tanken Frischwasser, schließen Strom an und sind die einzigen Gäste.  

 

Zum Glück kommt wieder Schwung in unsere Lithiumbatterien. Später stellen wir fest, dass eine der beiden Batterien fehlerhaft war und Tatti tauscht sie aus.

 

Und um auf Nummer sicher zu gehen, werden wir demnächst unsere Solarpaneele aufrüsten. Beziehungsweise lassen den absoluten Profi und Fachmann unseres Vertrauens Tobias von Elchcamper ran.

 

Hier ein Blick in die Zukunft nach Sottrum mit fortan drei großen Solarpaneelen auf dem Dach ... 

 

Jetzt aber wieder zurück in die Toskana...

 

Ein paar Schritte vom Wohnmobilstellplatz entfernt ist ein Mini-Lädchen mit einer kleinen Auswahl großer Fleisch- und Wurstwaren, die ich nicht kenne. Ich spreche Haben sie Brot in mein Handy und lasse es übersetzen. Mein Handy versteht Bruder anstatt Brot und die Frau guckt mich an, als wenn mit mir etwas nicht stimmt. Ich zeige ihr den italienischen Satz immer wieder und sie schüttelt verlegen den Kopf. 

 

ALs ich Baguette? frage, bekommen wir ein Baguette. Dass ich sie nach einem Bruder gefragt habe,  merke ich erst später im Wohnmobil und finde das wieder mal so witzig! 

 

Wohnmobilstellplatz in Santa Luce südlich von Pisa
Wohnmobilstellplatz in Santa Luce südlich von Pisa

Unser günstiger Schlafplatz heute nicht weit von Pisa:

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