Ich bekomme Kaffee ins Bett und die Hecktüren beim Bett geöffnet. So darf gerne jeder Morgen beginnen!
Da könnte ich doch glatt den ganzen Tag so sitzen bleiben und vom Bett aus und auf das Wasser schauen.
Beim Frühstück ist es zwar bewölkt, aber an diesem schönen Ort kratzt uns das überhaupt nicht.
Susi liebt diesen Platz besonders.
Sie ist geflasht von ihrem Morgen. Sie war draußen als es langsam hell wurde und liebt die Stille und den Ausblick.
Sie ist angekommen bei sich, glaube ich. Und in Croatia.
Toller Platz, der Campingplatz Grebišće in Jelsa!
Nach dem Frühstück starten wir zu einer Radtour über den Nordostteil der Insel.
Wir radeln zuerst an der Küste entlang zum sympathischen Hafenort Jelsa.
Jelsas Hafen ist großzügig und hell gepflastert.
Typisch dalmatinische Häuser und ein gemütlicher Platz mit Bänken am Wasser und Restaurant, Cafės, kleinen Läden und eine Eisdiele begrüßen uns unaufdringlich und hübsch.
Über das Wasser klingen plötzlich laute kroatische Lieder mit Gesang und es schaukelt ein bunt geschmücktes Holzschiff mit singenden Frauen in den Hafen.
Das sieht aus wie ein Junggesellinnenabschied oder so.
Ich kaufe ein Magnet mit einem gemalte Bildchen von Jelsa. Der Verkäufer verrät, dass er die Bilder selber gemalt hat.
Da finde ich mein kleines Bildchen doch gleich noch viel schöner und mache ein Selfie mit Jelsa-Künstler.
Wir schieben die Räder und kommen an der Eisdiele vorbei.
Mit Eis in der Hand setzen wir uns auf unsere zukünftige Lieblingsbank auf Hvar, gucken zufrieden auf die Boote und essen unser Eis.
Dann radeln wir weiter am Wasser entlang um die Bucht herum und Richtung Vrboska.
Der Fahrradweg geht immer nah am Wasser entlang.
Wir sind nach 2,5 Kilometern schon in Vrboska angekommen.
Der kleine Ort zieht sich an einem Meeresarm entlang.
Die Hafenpromenade ist gerade eine riesige Baustelle.
Wir müssen die Fahrrräder durch weichen Bausand und zwischen Baggern und Bauarbeitern hindurch schieben.
Wenn die Straße fertig ist, ist es bestimmt ganz nett hier.
Die Arbeiter schauen uns mürrisch an. Die Touristen nerven ja bestimmt auch, weil sie einfach weiterlatschen. So wie wir. Hier gibt es nicht so eindeutige Absperrungen wie bei uns. Wir hätten die Baustelle auch ohne Absperrungen nicht betreten sollen.
Aber jetzt ist es zu spät. Nach einer Ewigkeit können wir endlich weg da.
Von Vrboska aus ist Stari Grad nicht mehr weit.
Wir haben noch Energie und radeln den Hügel ein Stück hoch zur Ebene von Stari Grad.
Auf einem breiten Kiesweg fahren wir 5 Kilometer zwischen der Weite uralter Gärten geradeaus.
Hier oben auf dem Inselrücken wurden schon in der Antike Weingärten und Olivenhaine angelegt. Verrückt finde ich das, dass wir einen Weg fahren, auf dem Altersgenossen von Aristoteles ihre Weintrauben und Oliven zur Stadt brachten.
Zum Schluss geht der Weg bergab und wir rauschen in hohem Tempo hinein in die alte Hafenstadt Stari Grad.
Die hellen Häuser wirken schlicht und einfach und stehen an einer langen geschwungenen Uferpromenade mit Läden, Cafės und Restaurants.
Weiter hinten kommt man zum Strand und noch ein Stück weiter fährt die Fähre zurück aufs Festland nach Split.
Wir schieben die Räder ein Stück und ruhen uns dann auf einer der Terrassen am Hafen bei einer Tasse Kaffee aus. Hier ist extrem wenig los und der Hafen ist weitläufig mit einer breiten Uferpromenade. Im Wasser sind ein paar Boote angetaut. Wenige Menschen flanieren hier auf der hell gepflasterten, breiten Uferpromenade.
Danach schlendern wir durch die Gassen. Die Häuser sind schlicht und schmucklos, was einen besonderen Reiz ausmacht und ich so noch nie gesehen habe. Stari Grad ist die älteste Stadt Kroatiens. Sie wurde 384 vor Christi von den Griechen gegründet.
Ich husche in das Wohnhaus eines bekannten kroatischen Dichters aus dem 16.Jahrhundert.
Susi und Tatti interessiert das nicht. Verstehe ich auch nicht. Sie warten auf dem Vorplatz.
Ich mache im Dichterzuhause ein paar Fotos eines rechteckigen Beckens mit Fischen darin. Er hat es als Symbol für Harmonie zwischen Mensch und Natur angelegt, wollte sich eine idealisierte Welt im Kleinen schaffen. Hm. Soso. Es ist verbunden mit der Bucht, so dass frisches Meerwasser zirkulieren kann.
Der Poet hieß Petar Hectorović. Er ist in Kroatien sehr bekannt. Er hat nur ein einziges Mal in seinem Leben für drei Tage die Insel verlassen. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat er sich auf dem Boot mit zwei Fischern unterhalten und die Reise beschrieben.
Und nun sind wir 700 (!) Jahre weiter und die Welt spricht ernsthaft noch immer von seiner Reisebeschreibung als epischem Werk? Was bitte mache ich falsch, dass ich jahrelang durch die Gegend reise und monatelang Reiseberichte in meinen Laptop tippe und keine Villa mit einem rechteckigen Fischbecken in Aussicht habe? Wo bitte bleibt mein Ruhm?
Als ich rauskomme sitzt Susi auf dem Sockel vor seiner Büste.
Los Mädels, treibe ich die beiden an, steige auf mein Fahrrad und verschwinde Richtung Hafenbecken.
Tschüss Petar, hast scheinbar alles richtig gemacht, Junge.
Wir schauen uns noch ein wenig in Stari Grad um und bewegen uns dabei wieder Richtung Ortsausgang.

Zurück zum Campingplatz radeln wir an der Hauptstraße entlang und Susi und Tatti kaufen in Jelsa Getränke und Toilettenpapier. Ich warte mit Hannes auf dem Supermarktparkplatz und suche währenddessen eine nette Strecke am Wasser entlang zum Campingplatz zurück heraus.
Dann schaue ich mir eine kleine Bleibe für streunende Katzen mit Futter am Rand des Parkplatzes an und bekomme danach das Toilettenpapier von den Beiden auf meinen Gepäckträger geklemmt.
Dann will Tatti an der Straße entlang weiterradeln.
Ne, da lang, sage ich, ist viel schöner, und weise in eine kleine Stichstraße neben dem Supermarkt.
Ne, das geht nicht, sagt Tatti.
Doch, sage ich, echt. Ich liege falsch. Das werden wir gleich merken.
Meine Route führt dummerweise immer weiter hoch auf einen sehr hohen Berg.
Dabei sah es in GoogleMaps echt so aus, als wenn die Straße direkt hinunter zum Hafen geht.
Ich fahre vorne und drehe mich nicht mehr um. Ich tu so als wenn ich das normal finde.
Tati ruft von hinten, dass wir umdrehen müssen.
Ich glaube unerschütterlich an mich und trete weiter in die Pedalen. Ich tu so als wenn ich das nicht gehört habe.
Der anstrengende Weg ermöglicht uns schließlich einen bombastischen Blick auf den Hafen, den Ort und die Berge!
Schließlich haben wir ja Ebikes.
Am Ende können uns wir uns wieder wunderbar den Berg hinunter bis zum Hafen und zur Eisdiele und zu unserer Bank am Hafen rollen lassen.
Jippiehhh! Ist doch klasse so! Die sollen sich nicht so anstellen!
Wir gönnen uns das zweite Eis des Tages auf unserer Bank und sind alle wieder entspannt.
Vor uns versammeln sich gerade Fahrradtouristen und mit Leihrädern.
Sie kommen von einem Hotelboot, das vor uns im Hafen liegt.
Susi fotografiert alte Menschen, die in der Sonne dösen. Tatti entdeckt, dass die Leihräder Städtenamen haben. Wir glauben, dass das am besten zu merken ist für Menschen aller Nationen, um das eigene Fahrrad wieder zu finden.
Hier sitzt man echt klasse! Jelsa, mein sympathischer kleiner Wohlfühlort. Du bist von jetzt an auf der Liste meiner ganz persönlichen besonderen Orte.
Es ist so schön, zu unserer tollen Bucht und dem schönen Platz oben auf unserem Balkon zurückzukommen.
Ich genieße den Ausblick, lese, quatsche, freue mich meines Lebens und meiner Freiheit gerade und verbringe mehr als gerne meine zweite Nacht dort im Paradies.
Hier heute Eis geholt und am Hafen gegessen:
