Tag 1    Bella Italia, wir kommen!

Stellplatz am Main-Donau-Kanal, Hilpoltstein & Rothsee.

 

 

Seit Wochen durchforste ich Reiseführer, Youtube, Instagram und die offiziellen Tourismus-Seiten der Dolomiten und der Toskana.

 

Jetzt geht es endlich los! Und ich habe - wie immer - Schmetterlinge im Bauch! 

 

Der grobe Plan wird uns zuerst in die Dolomiten führen, dann nach Venedig und dann in die Toskana.

 

Und Tatti will nach Elba. Eigentlich wollten Tatti und Susi beide viel lieber nach Frankreich reisen. In die Bretagne. Aber in Frankreich ist das Wetter schlecht.  

 

Zum Glück konnte ich die zwei mit italienischem Eis, Pizza, Pasta und dem Sonnenargument rumkriegen. Bella Italia, wir kommen! 

 

Am Vorabend ist alles gepackt - Kleidung, Essen, Trinken und sonstiger Kram - und Wasser und Strom sind getankt.  

 

Dann kommt ein Anruf von Susi, dass etwas an ihrem Fahrradträger gebrochen ist und sie ihr Fahrrad zuhause lässt.

 

Andere Freunde bieten deren Fahrradträger an. Sie lehnt ab. Ich versuche sie zu überreden. 

 

Denn mit Fahrrädern ist es wesentlich leichter, geeignete Stellplätze zu finden! Susi möchte aber nicht riskieren, dass ihr auch noch ein geliehener Fahrradträger kaputt geht.

 

Startklares Wohnmobil am Vorabend der Reise
Startklares Wohnmobil am Vorabend der Reise

 

Um neun Uhr starten wir bei leicht bewölktem Himmel und fahren über die A14 und die A9 von Lüneburg aus erst gen Süden nach Hannover und dann durch Ostdeutschland bis kurz hinter Nürnberg. Mit jedem Autobahnkilometer verschwindet die Arbeit mehr aus unseren Köpfen und macht dem Gefühl von Freiheit Platz.

 

Ich erzähle Tatti gut gelaunt von meinen Entdeckungen in den Reiseführern, erzähle vom sogenannten Balkon der Dolomiten weit oben auf einem Berg, vom Wohnmobilstellplatz auf einem Hügelrücken in der Toskana und vom Stellplatz in Piombino in der Nähe der Fährabfahrt nach Elba.

 

Ich verliere mich in Schwärmereien über die kommenden Wochen.  

 

Rauchpause in Ostdeutschland - und eigenes Klo anstatt Raststätten-WC benutzen
Rauchpause in Ostdeutschland - und eigenes Klo anstatt Raststätten-WC benutzen

 

Nachmittags um vier kommen wir über eine Brücke und sehen unseren heutigen Schlafplatz am Ufer des Main-Donau-Kanals liegen, den Wohnmobilstellplatz Hilpoltstein. Er eignet sich prima für einen Zwischenstopp.  

 

Wohnmonilstellplatz am Main-Donau-Kanal in Hilpoltstein mit Plätzen am Wasser
Wohnmonilstellplatz am Main-Donau-Kanal in Hilpoltstein mit Plätzen am Wasser

 

Wir parken mitten auf der Wiese und als wir aussteigen, schlägt uns Hitze entgegen, weswegen wir uns für Plätze im hinteren Bereich im Schatten hoher Bäume entscheiden. 

 

Der Wohnmobilstellplatz liegt im fränkischen Seenland zwischen dem Rothsee und dem Ort Hilpoltstein, beides nur einen Kilometer entfernt.

 

Begehrte Plätze in erster Reihe
Begehrte Plätze in erster Reihe

 

Kaum angekommen, hat Tatti schon wieder Werkzeug in der Hand. Irgendwas ist immer, dieses Mal ist es Susis Nummernschild-Beleuchtung.  

 

Ich spaziere über den Platz, mache ein paar Fotos und finde es spannend, mit welchen Fahrzeugen andere Leute unterwegs sind, woher sie kommen, was sie machen, wie sie reisen.

 

Ich plaudere eine Weile mit einem Mann aus Helmstedt.

 

Er sitzt im Schatten vor seinem alten Mercedes-Van und erzählt mir, dass er sich mit dem Wohnmobil einen Lebenstraum erfüllt hat.

 

Kluge Entscheidung, denn wir wissen ja alle, dass wir am Ende nicht das bereuen, was wir gemacht haben, sondern das, was wir nicht gemacht haben. 

 

Darf ich dich in meinem Blog posten? frage ich und zeige ihm meine Blog-Startseite im Handy. 

 

Ja, klar, antwortet er und lächelt ein wenig verlegen. 

 

Danke und alles Gute! 

 

Alles Gute! Gute Fahrt weiterhin! 

 

Ein Mann mit seinem Lebenstraum
Ein Mann mit seinem Lebenstraum

 

Dann hole ich mein Fahrrad und fahre nach Hilpoltstein. Tatti hat keine Lust mitzukommen und Susi hat ja eh kein Fahrrad. Aber sie hätten auch ohnehin beide keine Lust gehabt. Die zwei sind müde vom Fahren. 

 


Ich suche zuerst nach einem kleinen weißen Haus, das ich im Internet gesehen hatte. Es lehnt sich so apart an eine Burgmauer an.

 

Und da ist es auch schon. 

Charmantes Wächterhaus an der Burgruine in Hilpoltstein
Charmantes Wächterhaus an der Burgruine in Hilpoltstein

 

Ich mache Fotos und schaue mir den Rest der Burgruine an. 

 

Danach kurve ich ohne Ziel durch Hilpoltsteins Ortskern. 

 


Die Sonne macht goldenes Licht und es herrscht entspannte Stimmung.

 

Die Läden sind geschlossen und auf den Terrassen der im Ort verteilten Restaurants sitzen Leute, deren Stimmengemurmel man in den leeren Straßen hört.

 

Die Häuser wirken freundlich und sind in zarten Farben gestrichen, haben Blumenkästen, Fensterläden und Fachwerk.

 

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest heute Abend. Und aus meiner Perspektive.

 

Hilpoltsteins historische Altstadt mit Fachwerkhäusern in zarten Farben
Hilpoltsteins historische Altstadt mit Fachwerkhäusern in zarten Farben

 

Auf meinem Rückweg fahre ich spontan an unserem Wohnmobilstellplatz vorbei und radle weiter bis zum Rothsee. 

 

Dort ist ein zweiter Wohnmobilstellplatz.

 

Es ist ein Schotterplatz zwischen Büschen. Die Wohnmobile stehen dicht an dicht und dazwischen laufen spielende Kinder.  

 

Der Platz liegt zwischen PKW-Parkplatz, Wald und See. Am See ist eine riesige Grasfläche, die inzwischen schon im Schatten liegt. Es ist spät geworden. 

 

Die tief stehende Sonne kommt von hinten und schafft es nur bis zum gegenüberliegenden Ufer in der Ferne. Ich suche einen Kiosk, will Eis mitbringen für uns drei. Aber der Kiosk hat schon geschlossen.

 

Na gut. Dann eben nicht. 

 

Abendliche Leere auf der Liegewiese des Rothsees
Abendliche Leere auf der Liegewiese des Rothsees

 

Auf unserem Platz dreht gerade ein weißer Mercedes mit einer überdimensionalen aufgeblasenen Flasche Prosecco auf dem Dach eine Verkaufsrunde und hupt. 

 

Die Frau ist für norddeutsche Verhältnisse übertrieben fröhlich. Ich schaue in den Kofferraum, kaufe eine Flasche Riesling und fühle mich wie auf einem Schwarzmarkt. 

 

Wir sitzen lange draußen und schweigen miteinander und reden und gucken in unsere Handys.

 

Das Wetter ist schonmal perfekt. Und der Ort ist ideal für unseren Anreisestop. Es ist ein schöner erster Urlaubsabend. 

 

Rotes Karo zwischen Wohnmobilen - pure Reiselaune
Rotes Karo zwischen Wohnmobilen - pure Reiselaune

Schlafplatz in Hilpoltstein:

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