Tag 4    Kurven, Kloster, Meeresblick.

Port Vendres & Portbou, Cap Cerbère, Sant Pere de Rodes & Camping l´Arola am Meer (Nordkatalonien). 

 

 

Morgens trinken wir recht früh unseren Kaffee und machen alles startklar.

 

Wir fahren den Pyrenäen ohne Frühstück entgegen und ich finde es total aufregend, dass wir gleich über Berge fahren, die es für mich bisher nur im Diercke Weltatlas gab.

 

Wenn wir einen schönen Haltespot entdecken, werden wir dort frühstücken.

 

Die Straße führt uns kurvig hoch in die Berge, vorbei an viel Grün und Weinstöcken.

 

Immer wieder eröffnen sich Panoramen auf das Meer und die Felsenküste entlang der Côte Vermeille.

 

Gleich geht es über die Pyrenäen nach Spanien
Gleich geht es über die Pyrenäen nach Spanien

 

Wir kommen durch quirlige Küstenorte mit bunten Häuserfassaden, die sich in den windgeschützten Buchten am Fuße des Alberès-Massivs befinden. 

 

In den Orten stehen die Häuser dicht an dicht am Berghang und die Bewohner können über Strände oder Häfen hinweg weit hinaus auf das Meer schauen.

 

Vielleicht sitzt ja hinter einem der Fenster Jemand an einem kleinen Schreibtisch und schreibt ein Buch. Würde ich machen, wenn ich hier wohnen würde. Wundervolle Vorstellung!

 

Collioure
Collioure

  

In Port-Vendres entdecken wir einen großen und recht leeren Parkplatz am Hafen.

 

Oh, wie praktisch, sage ich lass uns hier frühstücken! 

 

Wir parken, steigen aus und lassen den schönen Hafen auf uns wirken.

 

Port-Vendres
Port-Vendres

 

Die Straßencafés sind kaum besucht.

 

Ich mache Fotos und wir gehen zurück zum Wohnmobil. Dann sehen wir auf einem Schild, dass der Parkplatz für Wohnmobile verboten ist. 

 

Hm. Und nun? Doch nicht hier frühstücken?

 

Wenn wir Pech haben, kommt  die Polizei vorbei. Und dann könnte es ungemütlich werden. 

 

Also fahren wir weiter und wollen weiter Ausschau nach einem anderen Frühstücksplatz halten.

 


Ich bin gespannt, wo wir gleich frühstücken werden.

 

Der Blick auf den Golf du Lion ist wunderschön. Kurz vor den Küstenorten führt die Küstenstraße jedes Mal hinunter in die Orte am Wasser.

 

Im nächsten Ort ist es bunt und quirlig und an der Durchgangsstraße sitzen Menschen draußen auf den Terrassen.

 

In einem dieser Küstenorte hier würde ich auch einen Sommer verbringen wollen. Sieht alles so aus, als wenn man hier sehr zufrieden sein kann.

 

Banyuls-sur-Mer - französischer Küstenort in den Pyrenäen
Banyuls-sur-Mer - französischer Küstenort in den Pyrenäen

 

Die Straße ist angenehm leer. Wir gleiten ganz entspannt dahin.

 

In den Küstenorten selber ist ein bisschen mehr Verkehr und Leben. Nach jedem Ort führt die Straße wieder bergauf, immer mit Blick auf das blaue Meer.

 

Zerklüftete Küste an der französisch-spanischen Grenze
Zerklüftete Küste an der französisch-spanischen Grenze

 

Oberhalb der zerklüfteten Küste bei Banyuls-sur-Mer finden wir einen kleinen Kiesplatz direkt an einer Steilküste.

 

Stop! Halt mal hier!

 

Wow!

 

Was für ein erstklassiger Logenplatz zum Frühstücken!

 

Ich gehe dreimal um das Wohnmobil herum, schaue in alle Richtungen, atme tief ein und heule fast vor Glück.

 

Dann setzte ich Wasser für Kaffee auf und decke den Frühstückstisch.

 

Ich beobachte Tatti, wie sie da draußen steht und aufs Meer schaut. 

 

Unser nächster Stopp ist am Cap Cerbère beim letzten französischen Leuchtturm vor der spanischen Grenze.

 

Vom Cap Cerbère können wir hinunter auf den Ort Cerbère und rundherum auf das Meer schauen.

 

Cap Cerbère
Cap Cerbère
Cerbère
Cerbère

 

Hier oben beim Leuchtturm auf der Landzunge hoch über dem Meer ist es sehr schön!

 

Die Atmosphäre wirkt auf mich freundlich und entspannend, nicht nur wegen der halbrunden Holzterrasse mit Bank vorm Leuchtturm, sondern auch wegen der Weite und Leere hier oben.

 

Besucherparkplatz des Leuchtturms Phare de Cerbère
Besucherparkplatz des Leuchtturms Phare de Cerbère

 

Den Leuchtturm selber finde ich nicht so schön. Die Idee beim Bau 1982 soll es gewesen sein, dass er sich mit seinen dunklen Steinen an die Umgebung anpasst. Ah ja. Na gut.

 

Hier in der Gegend gibt es einige Wanderrouten. Ein 32 Kilometer langer Küstenwanderweg führt zum Beispiel den Berg hoch von Argelès-sur-Mer hierher, also quasi parallel zu der Strecke, die wir gerade hergefahren sind.

 

Kurz vor der katalanischen Küstenstadt Portbou passieren wir oben in den Bergen die Landesgrenze nach Spanien, markiert durch ein einfaches Schild.

 

Jetzt sind wie in Katalonien, dem Teil Spaniens, der sich in seiner Geschichte seit jeher gerne als eigenständig betrachtet.

 

Diese Haltung werden wir während unserer Grand Tour de Catalunya noch häufiger in Form einer gelben Schleife als Symbol für Unabhängigkeit zu Gesicht bekommen.

 

Portbou - erster Ort in Spanien
Portbou - erster Ort in Spanien

 

Der Blick von hier oben auf unsere erste katalanische Stadt Portbou und die davor liegende Bucht - eingebettet in Berge - ist auf jeden Fall schonmal der Knaller! 

 

Unten im Ort wollen wir parken, finden aber die Zufahrt zum einzigen für Wohnmobile geeigneten Parkplatz am Hafen nicht, landen in zu engen Gassen und dann in falscher Richtung wieder auf der Hauptstraße.  

 

Wir können nicht wenden und müssen schließlich den gleichen Weg, den wir gekommen sind, wieder raus aus Portbou und den Berg wieder hochfahren. Tatti flucht.

 

Ich freue mich - ehrlich gesagt - insgeheim darüber. So kann ich nämlich vom Beifahrersitz aus viel bessere Fotos machen.  

 

Uups, jetzt sind wir plötzlich wieder in Frankreich. Hinter der Grenze können wir endlich wenden.

  

Wir haben keine Lust auf Stress und verzichten auf Portbou, und geben das Cap de Creus als nächstes Ziel ins Navi ein. 

 

 

Zu Beginn der Halbinsel Cap de Creus liegt die Stadt El Port de la Selva an einer großen Bucht mit langem Strand.

 

Am Ortseingang weist ein kleines Schild den Berg hoch zum ehemaligen Benediktinerkloster Sant Pere de Rodes.

 

Guck mal, nur 6 Kilometer, sage ich und zeige darauf. Das ist cool da! Echt! Das weiß ich. Wollen wir? Es ist erst zwölf.

 

Tatti will, bremst, wendet und schon sind wir auf dem Weg zum Kloster.

 

Es ist eine gut ausgebaute in vielen Kurven nach oben führende Straße. Der Blick zurück auf die Bucht wird von Kurve zu Kurve spektakulärer.

 

Tatti weiß, dass ich eine Spürnase für Spots habe, die uns beide interessieren. Und sie weiß auch, dass ich vorher vernünftig checke, wie das mit dem Parken ist. Das war nicht immer so harmonisch mit ihr und meinen spontanen Ideen. 

 

Früher hat sie sich viel mehr gesträubt. Sie war der Meinung, dass Planänderungen prinzipiell was Schlechtes sind und nur Stress dabei herauskommt. Früher ist auch oft Stress dabei herausgekommen. Plötzlich war eine Durchfahrt zu schmal und es gab kein Zurück,  eine Unterführung zu niedrig oder wir landeten in kleinen Altstadtstraßen, die nicht für Kastenwagen geeignet waren. Da hatte ich noch kaum Erfahrung in der Planung von Routen. 

 

Das hat jede Nerven gekostet. Inzwischen achte ich besser auf diese Dinge. 

 

Port de la Selva
Port de la Selva

 

Ich liebe die Freiheit, spontanen Ideen nachgehen zu können, so sehr! Auch bin ich froh, dass Tatti das inzwischen mitmacht. Wir finden einen Parkplatz auf einer Anhöhe und gehen einen langen breiten Fußweg hoch zum Kloster Sant Pere de Rodes.

 

Fußweg vom Parkplatz zum Kloster Sant Pere de Rodes
Fußweg vom Parkplatz zum Kloster Sant Pere de Rodes

 

Tatti wartet mit Hannes draußen und ich schaue mir den Innenhof, die alten Räume, Treppen, Türme, dunkle Keller und ich sehe mir eine interessante Ausstellung eines Kunstprojektes einer Schule an.

 


Da haben Kinder erst die Farben verteilt und darauf die Konturen der Klostermauern und -türme mit einem schwarzen Stift skizziert. 

 

Ich  nehme mir vor, das auch mal auszuprobieren.

 

Und der Rundumblick von hier oben ist grandios!

 

In weiter Ferne kann ich unser Mini-Wohnmobil auf der Anhöhe und weit dahinter die Bucht, von der wir gekommen sind, sehen.

 

Blick vom Kloster auf die Küste und den Hügel mit unserem Wohnmobil
Blick vom Kloster auf die Küste und den Hügel mit unserem Wohnmobil

Anschließend fahren wir den Berg wieder hinunter und fahren am Ende steil auf das Meer zu. Dort entdecken wir unterhalb der Straße einen Platz, auf dem eine Reihe Wohnmobile direkt am Wasser stehen. 

 

Es ist der Campingplatz L´Arola in El Port de la Selva.

 

Unsere Blicke fallen gleichzeitig auf eine freie Lücke zwischen den dort geparkten Wohnmobilen. 

 

Wir gucken uns an, fackeln nicht lange und schon fahren wir hinunter zum Platz am Ufer.

 

El Port de la Selva
El Port de la Selva

 

Der Campingplatz wird in keiner meiner Apps als im Oktober noch geöffnet geführt.

 

Eine Frau kommt auf uns zu. Und die Lücke ist noch zu haben, juhuu!

 

Also einparken, Strom anschließen, kurze Hosen an, Campingmöbel raus in die Sonne, schneller Kaffee, und zu Fuß ins Dorf.

 

Camping L´Arola direkt am Meer
Camping L´Arola direkt am Meer

Wir schlendern am Strand entlang zwischen den Booten bis zum Ende der Bucht und zurück.

 

Spaziergang vom Campingplatz zum Ort El Port de la Selva
Spaziergang vom Campingplatz zum Ort El Port de la Selva

Danach chillen wir in der Sonne. So soll es sein!

 

Treiben lassen. Bleiben.

 

Weiterziehen. Nichts müssen. Alles können. Die ganze Welt ist unser Zuhause - das Leben ist schön! 

 

Abendstimmung beim Wohnmobil
Abendstimmung beim Wohnmobil

Schlafplatz am Meer in Katalonien:

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