Morgens kommt ein Fasan vorbei. Und danach wird ein Mobilheim auf dem Anhänger eines Treckers vorbeigezogen. Ganz schön spannend hier! Weiter hinten werden mehrere Mobilheime neu aufgestellt.
Später am Vormittag stehen wir bei der Servicestation für Frischwasser und Abwasser an. Der Servicplatz wird blockiert von einem Wohnmobil mit zwei jungen Frauen. Und es dauert und dauert. Die beiden Frauen werkeln hektisch an ihrem Wohnmobil herum und die Gesichter sind ratlos. Das kennen wir auch, dass einem am Anfang irgendwelche Dinge passieren und man keine Ahnung hat, was man tun muss.
Wir steigen aus und bieten Hilfe an. Die zwei haben Wasser auf dem Fußboden und wissen keinen Rat.
Auf jeden unserer hilfreichen Vorschläge reagiert die eine Frau gereizt. Sie sagt, dass das Wohnmobil einer Freundin gehöre und diese schon wisse, was zu tun sei. Das ist ja schön. Die ist aber nicht hier. Und das Wohnmobil steht noch immer auf dem Abwasserschacht.
Es könnte sein, dass Frau eins Frau zwei was beweisen will. Und dabei stören wir. Wir stellen unser Werkzeug hin und ziehen uns zurück. Sie brauchen zwanzig Minuten bis sie resigniert wegfahren.
Man sieht sich, sage ich nicht freundlich, bekomme aber keine Antwort. Ich schwöre, ich habe wirklich nichts falsch gemacht, auch nicht arrogant geguckt. Ich war am Anfang auch zu stolz, Jemanden um Hilfe zu bitten, hatte das noch nicht so raus, dass das unter Camperinnen und Campern völlig normal ist. Sich nicht helfen zu lassen, ist eher unnormal.
Heute wandern wir auf Holzbohlenwegen durch die Dünen nach Wittdün, vorbei an einem Dünen-See mit Holzterrasse und Picknickbänken.
Unterwegs hören wir das Rauschen des Meeres im Hintergrund und ich finde diese kleinen Sitzgelegenheiten richtig schön für ein Picknick am Abend oder ein kleines Sit-In mit Campinfreunden und einem Glas Wein oder so. Aber das mit den Campingfreunden ist ja leider gescheitert vorhin.
Wir kommen auf einer hoch über dem Meer liegenden Strandpromenade, der sogenannten oberen Wandelbahn, bei den Häusern Wittdüns an. Unter uns liegt - wie soll es anders sein - die untere Wandelbahn.
Die Häuser sehen nicht friesisch aus, sondern sind mehrgeschossig, beherbergen Wohnungen und haben teilweise Fassaden oder Balkone zum Meer aus den sechziger Jahren.
Der Ort ist jünger als die anderen Orte auf der Insel, wurde erst 1890 gegründet und sollte damals den Ansturm der Badegäste beherbergen, um sie von den weiter hinten liegenden Inseldörfern fernzuhalten, denn man befürchtete einen Verfall der Sitten. Das finde ich natürlich superwitzig. Ich möchte nicht wissen, welch frivole eigene Leidenschaften der Gemeindevertreter, der sich so etwas ausgedacht hat, in sich getragen hat.
Wir gehen zum Ortskern mit ein paar Geschäften, Cafés und Bistros. Das Sortiment in dem ein oder anderen Laden ist geschmackvoll und ich hole mir Inspiration, nehme mir vor, mal eine Wimpelgirlande aus Länderflaggen zu nähen, vielleicht alle Länder, in denen wir schon waren.
Ich kaufe ein Magnet und eine Ansichtskarte und wir essen zum ersten Mal Ben and Jerrys Peace-Eis und finden es sehr lecker.
Wir gehen den gleichen Weg am Wasser entlang, über die Bohlenwege und durch die Dünen zurück zum Campingplatz.
Den Nachmittag verbringen wir in Decken gehüllt auf unseren Campingstühlen im Dünensand vor unserem Wohnmobil. Lesen. Quatschen. Käffchen. Dünen gucken. Vor uns hindümpeln.
Abends wollen wir im Restaurant Seefohrerhus trotz Quarantäne-Risiko essen, denn unser Urlaub neigt sich ohnehin dem Ende. Wir radeln durch den Regen zum Seezeichenhafen an der Wattseite. Das Restaurant ist gleichzeitig Vereinslokal des Amrumer Yachtclubs.
Wirbeligen im Eingang stehen und sehen in einen schön hellen Gastraum.Alle Tische sind belegt und die unterschiedlichen Gerichte auf den Tischen sehen sehr verlockend aus. Man kann durch große Fenster auf den Hafen schauen. Und wir sind klitschnass.
Wir hatten eine Art Imbiss erwartet. Hannes müffelt nach nassem Hund und zittert und unsere Haare sehen angeklatscht aus. Also ist es keine Option, auf einen freien Tisch zu warten.
Ich sage Tatti, dass sie mit Hannes zurück fahren kann. Im Wohnmobil ist es warm und trocken.
Es reicht ja, wenn eine im Gang wartet.
Immerhin habe ich Hafenblick.
Hafen im Regen.
Nach zwanzig Minuten radle ich mit einer sperrige und heißen Tüte unter meiner Jacke zurück.
Der Regen peitscht mir ins Gesicht und die Hitze von Backfisch und Pommes an meinem Bauch tut schon weh.
Der Fisch kommt direkt vom Kutter und wurde von einem Profi-Koch zubereitet.
Und das Menue mit Pommes schmeckt sehr lecker.
Schöner Dünenweg mit Picknickplätzen vom Campingplatz nach Wittdün:
