Tag 9    Zwischen Fegefeuer und Fernblick.

San Gimignano, Val d´Orcia & Agricampeggio Podere Canceli (Zentrale und südliche Toskana).

 

 

Nach dem Aufstehen fahren wir durch die wunderschönen toskanischen Hügel Richtung San Gimignano. 

 

Unterwegs kaufen wir in einem Supermarkt ein.

 

In San Gimignano parken wir in einiger Entfernung unterhalb der Innenstadt. Die offiziellen Wohnmobilparkplätze sind uns viel zu weit außerhalb. 

 

Das hier ist ein großer Parkplatz in der Via di Fugnani und er kostet nichts.

 

Wir müssen uns ein kurzes Stück Straße zur Bushaltestelle hochquälen. Die Fahrt bergauf ins Zentrum dauert nur wenige Minuten.  

 

Der Buslässt uns vor einer mächtigen Stadtmauer raus und wir gehen durch das Haupttor in die Innenstadt.

 

Hinter dem Tor liegt eine breite und freundliche und sehr gepflegte Straße mit vielen Geschäften. Es ist viel los hier. San Gimignano ist durchgestylt und sehr beliebt. 

 

Stadtmauer von San Gimignano
Stadtmauer von San Gimignano

  

Wir entdecken Olivenöle, Pasta in allen Variationen, bunte Keramik und auch toskanische Wurstwaren und jede Menge weiterer  Souvenirs. 

 

Über unseren Köpfen ragen Türme in den Himmel, die sogenannten Geschlechtertürme, für die San Gimignano bekannt ist. 

 

Es herrscht fröhliche Stimmung in den Straßen.

 

Die Leute schlendern in der Sonne oder im Schatten, schauen sich um, kaufen sich Erinnerungen an den Tag, lachen und machen Fotos. 

 

Wir kommen zum leicht geneigten sehr hübschen Piazza della Zisterna.

 

Rund um den Platz stehen mittelalterliche Häuser und Türme und in der Mitte ist ein Brunnen. 

 

Hauptachse in San Gimignano
Hauptachse in San Gimignano

 

Links ist eine berühmte Eisdiele, die Gelateria Dondoli. Eiscreme-Meister Sergio hat die Eisdiele 1992 gegründer und ist inzwischen mehrfacher Weltmeister. Er bietet originelle Kreationen wie Crema di Santa Fina (Safran- und Pinienkerncreme), Champelmo (Pink Grapefruit und Sekt) und Dolceamaro (aromatische Kräutercreme) an. 

 

Dass er Weltmeister ist, wissen wir da noch nicht, und die Schlange vor der Eisdiele ist so lang und in der Sonne ist es so heiß, dass wir auf den Genuss dieses Weltklasse-Gelato verzichten und weitergehen.  

 

Schlange vor der Eisdiele Gelateria Dondoli, die einen Weltmeistertitel hat
Schlange vor der Eisdiele Gelateria Dondoli, die einen Weltmeistertitel hat

 

Dann kommen wir auf den zweiten der beiden wichtigsten Plätze, den Piazza del Duomo.

 

Da steht ein Mann in dunkelrotem Samtmantel mit weißem Häubchen und Kapuze.

 

Er redet auf Italienisch und mit großen Gesten auf die Leute ein. Warum macht er das? Ist er eine Art mittelalterlicher Stadtführer? Oder ist er ein selbsternannter Prediger?  

 


Ich finde den Typen auf jeden Fall interessant und merkwürdig zugleich, aber wir verstehen ja auch gar kein Italienisch. 

 

Ich frage in die Runde, ob Jemand mit auf einen Turm will. Neben dem Mann befindet sich nämlich die Treppe zum höchsten Turm der Stadt, dem Torre Grossa. 

 

Es ist immer wieder so aufregend, wenn ich im wirklichen Leben neben so einem grünen Fähnchen aus meiner GoogleMap stehe, das ich irgendwann mal voller Neugier ins Handy gesetzt habe! 

 

Piazza del Duomo in San Gimignano
Piazza del Duomo in San Gimignano

 

Meine beiden Begleiterinnen wollen bei der Hitze beide keine Treppen steigen, aber ich will und marschiere los. 

 

 Palazzo Comunale mit dem höchsten Turm
Palazzo Comunale mit dem höchsten Turm

 

Das Ticket kostet dreizehn Euro und gilt für den Turm und ein Museum, das sich im dazugehörenden Gebäude befindet.

 

Erstmal suche ich die Treppe und gebe Gas.

 

Huch, auf dem ersten Treppenabsatz wird mir schwindelig.

 

Ok, ich gehe also lieber ganz langsam Stufe für Stufe hoch. Ich versuche, einigermaßen normal zu atmen und nicht so zu schniefen. 

 

Boah, ist das anstrengend!

 

Ich hätte heute mehr trinken sollen! 

 

Es sind 218 Stufen.

 

Das letzte Stück ist eine Wendeltreppe. Fast geschafft! 

 


Als ich fast oben bin, höre ich eine Männerstimme ganz nah an meinem Ohr.

 

Watch your head! 

 

Head? Kopf? Wieso? Ich gucke hoch. Vor meiner Stirn ist ein gelb-schwarzer Balken. Oh! Ich ziehe meinen Kopf ruckartig ein und steige gebückt die letzten Stufen hoch. 

 

Wie nett von dem Typen! Ich wäre da voll gegen gegen gerummst! Denn ca. 1,20 m über der letzten Stufe befindet sich ein mit gelb-schwarzem Flatterband umwickelter mächtiger Querbalken aus Eisen.  

 

Der Blick vom höchsten Turm Gimignanos
Der Blick vom höchsten Turm Gimignanos

 

Ich trete gebückt auf die oberste Ebene, richte mich wieder auf und drehe mich zur Treppe um.

 

Der Eisenbalken gehört zu einem Eisengestell, das eine große Glocke hält.

 

Dann gehe ich zum Rand des Turmes.

 

Ich kann von dort hinunter auf den Piazza del Duomo sehen und auch über die Dächer hinweg weit in die toskanische Landschaft hinaus. 

 

Ich gehe nacheinander zu allen Seiten des Turmes und schaue in alle Richtungen. Ich muss dabei teilweise gebückt die Seiten wechseln, um unter dem Gestell mit der großen Glocke hindurch zu kommen.

 

Ich bin beeindruckt von der überwältigenden Schönheit dieser Landschaft! Es ist so perfekt, als habe Jemand es inszeniert, als habe ein herausragendes Kreativteam alles reingepackt, was ein perfekter italienischer Moment braucht. 

 

Und das Verrückte ist, dass es echt ist, dass dort Familien wohnen und arbeiten, dass es ihre kleine Stadt ist, die sich im Laufe der Geschichte - so wie ich sie hier sehe und erlebe -  entwickelt hat.

 

Es ist so wunderschön, hier oben auf diesem hohen Geschlechterturm stehen zu dürfen! 

 

Ich stütze mich auf der Mauer ab und schaue mir jedes Haus, jede Fensterreihe, jeden Balkon an. Ich verschlinge San Gimignano.

 

Unter meinen Handflächen spüre ich die rauen und sonnenwarmen Steine der 700 Jahre alten Brüstung. 

 

Dann schaue ich mir die Weinfelder, die Höfe auf den grünen Hügeln und die Zypressenreihen an, spüre den Wind, spüre Italien und komme zur Ruhe. 

 

So soll es sein. Ich schließe die Augen für einen Moment und bin glücklich. 

  

Platz in San Gimignano
Platz in San Gimignano

 

San Gimignano wird übrigens wegen der Geschlechtertürme das mittelalterliche Manhatten oder die Stadt der Türme genannt. Die Türme entstanden als Wohntürme und dienten zum Schutz bei Angriffen.

 

Mit Geschlechtern sind die verschiedenen Familiendynastien, die sich mit den Türmen gegenseitig übertrumpfen wollten, gemeint. Verrückte Welt ist das, in der wir leben! Immer höher, immer besser, immer mehr. Wozu?

 

Früher gab es zweiundsiebzig Türme. Sie standen dicht an dicht. Jetzt sind es noch vierzehn.  

 

Der nette Typ am Treppenaufgang hockt neben dem Gitter und warnt die Hochkommenden noch immer.

 

Ach - verstehe ich jetzt - das ist sein Job!

 

Oh Gott, der Arme! Ich stelle mir vor, wie am Vortag die Aufgaben im Museums-Team verteilt wurden. 

 

- Ey, Alessandro, du machst morgen den Balkenwarner! 

 

- Och nö, bin ich schon wieder dran? sagt Alessandro gereizt und hat schlechte Laune

 

 

Verstohlen versuche ich in seinem Gesicht zu lesen wie seine Stimmung ist. Aber er sieht gar nicht unzufrieden aus. Er liest und schreibt was nebenbei. Vielleicht macht er es ja gerne. 

 

Sitzender Mitarbeiter, der die Leute vor einem Balken warnt
Sitzender Mitarbeiter, der die Leute vor einem Balken warnt

 

Im Museums im Palazzo del Popolo gehe ich durch die Räume. An den Wänden hängen Kunstwerke vergangener Jahrhunderte , aber ich kann nichts mehr aufnehmen. Ich bin noch viel zu beseelt von meinem Besuch auf dem Turm. 

 

Es gibt hier auch einen Dante-Raum, da Dante Alighieri hier mal eine Rede gehalten hat. Wer war das nochmal?

 

Ich google schnell. Aha, ein Dichter. Wie sah der aus? Auch noch schnell googeln. Roter Samtmantel und weißes Häubchen! Ach ne! Sieh an! Dann soll der schräge Typ da unten bestimmt Dante Alighieri sein, oder? 

 

Jetzt will ich es genauer wissen, stelle mich in eine Ecke und recherchiere im Handy.

 

 

Aha, es stimmt! Er heißt Giovanni Terreni und ist begeisterter Fan von Alighieri und rezitiert Auszüge aus der Göttlichen Komödie

 

Krass! Wie kann man Fan von einem dieser Dichter sein, die einem das Leben in der Schule schwer gemacht haben?

 

Und dann auch noch alles freiwillig auswendig lernen und da im Samtmantel bei der Hitze stehen? Hören die Leute, die Italienisch können, ihm ernsthaft zu? Ich glaube nicht. 

  

Besonders angetan bin ich aber dann doch von einem Ausstellungsstück.

 

Vom Kopf der heiligen Ursula.

 

Ursula sieht mit ihren goldenen Locken und rosa Wangen nämlich aus wie eine Comic-Figur aus der Jetzt-Zeit, wie eine moppelige Version von Struppis Tim. 

 

Ja, echt! Guck doch mal. 

 

Ursula wurde im 14.Jahrhundert von einem Goldschmied und Bildhauer geschnitzt, vergoldet und bemalt. 

 

Die heilige Ursula - würde sich auch im Tim und Struppi-Comic gut machen
Die heilige Ursula - würde sich auch im Tim und Struppi-Comic gut machen

 

Tatti und Susi sitzen unten auf der Treppe und warten auf mich. Und Dante steht und rezitiert noch immer voller Hingabe seine Verse. 

 

Tatti und Susi sitzen gleichmütig mit Hannes auf der Treppe, während Giovanni neben ihnen emotional durch Hölle, Fegefeuer und Paradies geht. Das ist so skurril, dass ich lachen muss. 

 

Wir schlendern weiter und holen uns Eis in einer kleinen kaum besuchten Eisdiele. Das Eis ist sandig auf der Zunge und schmeckt komisch. Wir hätten uns doch bei Sergio anstellen sollen!

 

Am Ende der Straße ist das Porta San Matteo. Vom Haupttor bis hierher waren es nur ein paar hundert Meter. Wir verlassen die Altstadt wieder und gehen zu Fuß den Berg hinunter zu unseren Wohnmobilen. 

 

Das geht ruckzuck und ist überhaupt nicht anstrengend. 

 


In der Nähe der Strecke zu unserem nächsten Schlafplatz - dem Wohnmobilstellplatz Podere Cancelli - liegt der Parco Fluviale dell´Elsa.

 

Es ist eine über Stufen sprudelnde Flusslandschaft mit türkisblauem Wasser inmitten von dichtem Grün. Man kann einen vier Kilometer langen Rundweg mit Wasserfall gehen. Mein Plan ist, dass wir dort einen kleinen Zwischenstopp einlegen und ein wenig in der Natur am Wasser herumschlendern. 

 

Die Straße und die Parkplätze befinden sich allerdings weit oberhalb des Flusses und sind allesamt zugeparkt. Und es wimmelt von Menschen mit Badetaschen.

 

Das ist uns zu stressig. Und so bleibt es bei einem kurzen Blick von einer Brücke auf den Fluss Elsa und wir fahren weiter. 

 

Fluss Elsa
Fluss Elsa

 

Nun fahren wir weiter durch hübsche Landschaften Richtung Isola d´Arbia und Montalcino.

 

Man sieht den Feldern die Hitze des zu Ende gehenden Sommers an. 

 

Crete-Senesi
Crete-Senesi

 

Von San Gimignano zu unserem Hügel mit dem Stellplatz sind es 1,5 Stunden Fahrt, die uns durch drei charakteristische Regionen im Herzen der Toskana führen.

 

Erst sanfte und fruchtbare Hügel und Weinberge im Val d´Elsa.

 

Dann mondartige und kahle Lehmhügel mit Zypressenreihen in der Crete Senesi.

 

Und zum Schluss sind wir im Val d´Orcia mit toskanischer Landschaft wie man sie kennt.

 

Und mit charakteristischen Orten wie Pienza, San Quirico und Montalcino. Dass es so wunderschön ist, ist übriegens kein Zufall. 

 

Es wurde von der Republic Siena als ideale Landschaft bewusst so gestaltet. 

 

Ja, ohne Witz!

 

Man hat sich dabei an Gemälden der Sieneser Schule orientiert und Hänge terrassiert und Höfe, Wege und Zypressen gesetzt. Und Wälder wurden gerodet, um freie Sichtachsen zu haben.  Total verrückt! Man wollte Ordnung, Wohlstand und gute Herrschaft ausdrücken. Das weiß auch kein Mensch, oder? 

 

Heute zählt die Landschaft zum UNESCO-Weltkulturwerbe. 

 

Montalcino thront jetzt rechts neben uns auf einem Berg. Montalcino ist bekannt für einen der edelsten Rotweise Italiens - den Brunello.

 

Das Val ´Orcia hat weitere Weine von Weltrang zu bieten, auch den Vino Nobile aus dem sechsunddreißig Kilometer weiter östlich liegenden Montepulciano. 

 

Kurzer Stopp mit Blick auf Montalcino
Kurzer Stopp mit Blick auf Montalcino

 

Wir machen einen kurzen Fotostopp mit Blick auf Montalcino.

 

Wir besprechen ob wir uns Montalcino jetzt auch noch ansehen wollen, wollen aber alle drei lieber direkt weiter zum Stellplatz.

 

Und so folgen wir den Anweisungen der Hofbesitzer.

 

Wir sollen uns nicht nach dem Navi richten, haben sie geschrieben. Der offizielle Weg sei vom Regen ausgewaschen und unpassierbar.

 

Wegbeschreibung zum Wohnmobil- und Zeltplatz Podere Cancelli (von den Betreibern)
Wegbeschreibung zum Wohnmobil- und Zeltplatz Podere Cancelli (von den Betreibern)

 

Wir fahren in unseren eigenen zwei Staubwolken über kleine Sandwege.

 

Den Hügel hoch.

 

Wieder runter.

 

Wieder hoch. Und das immer wieder.

 

Nach einer Weile können wir den Stellplatz in der Ferne auf einem Hügel liegen sehen. 

 

Unten an der Auffahrt zum Stellplatz stehen wir vor einer rot-weißen Kette. Zufällig kommt der Betreiber - ein Deutscher - gerade mit seinem Hund vorbei und fragt, ob wir reserviert haben und hakt uns dann die Kette an einer Seite aus. 

 

Dort bleiben wir mitten auf dem Weg stehen und suchen eine Ansprechperson, finden Niemanden und wählen die Handynummer. 

 

Diana - die junge deutsche Betreiberin - geht ran und kommt auch gleich zu uns. 

 

Sie führt uns zu zwei kleinen Plätzen an der Westseite unterhalb des Hügelrückens. 

 

Erst fährt Tatti hinunter auf den schmalen Platz, dann Susi. Nach viel Vor und Zurück stehen die Fahrzeuge gut.  

 

Der Platz liegt wirklich schön, hat allerdings - mit seinen 39 Euro pro Nacht - auch seinen stolzen Preis.

 

Eigentlich mögen wir Reservierungen nicht so. Aber nach den Fotos und einem beworbenen 360-Grad-Blick wollte ich unbedingt her. Von unserem Platz aus können wir allerdings nur zu einer Seite schauen. Wir sehen Montepulciano in der Ferne auf einem Berg liegen, davor einige Hügel und ein Stromkabel.

 

Auf Fahrradabstand vom Stellplatz befinden sich außer Montepulciano der kleine Ort San Quirico d´Orcia, der berühmte Zypressenring und auch der schöne Ort Pienza. Selbst das Chiantigebiet und die Crete Senesi sind nicht weit. Und es gibt schöne Fahrradtouren und Spazierwege um den Stellplatz herum.  

 

Agricampeggio Podere Cancelli im Val d´Orcia
Agricampeggio Podere Cancelli im Val d´Orcia

 

Aber heute bleiben wir erstmal hier. Die Luft steht und die Sonne brennt vom Himmel. Wir trinken im Schatten Kaffee und essen einen Snack.

 

Diana komt dazu und wir plaudern ein wenig. Wir interessieren uns für ihre Geschichte. Sie erzählt, dass die zwei aus München kommen und den Hof gekauft haben und nach und nach herrichten. Sie haben einen Olivenhain angepflanzt und ein Dusch- und Toilettenhaus gebaut und einen Waschplatz, von wo aus man den Sonnenuntergang sehen kann, und auf dem Platz überall Bäume gepflanzt. Und sie haben noch viel mehr vor. Und Niemand könne sich vorstellen, wieviel Arbeit das ist.

 

Wir schon! Respekt! 

 

Diana erzählt, dass die Camper manchmal ganz schön unachtsam mit den Dingen umgehen und wir keine Wäscheleine an die noch jungen Bäume binden sollen. 

 

Das machen wir natürlich nicht.

 

Wir behandeln Pflanzen, Tiere und Stellplatzbetreiber immer gut. 

 

Wohnmobilstellplatz auf einem Hügelrücken mit Rundum-Blick
Wohnmobilstellplatz auf einem Hügelrücken mit Rundum-Blick

 

Neugierig schlendern wir danach in der tief stehenden Sonne über den Platz. 

 

Oben auf dem Hügelrücken ist es wirklich wunderschön!

 

Es gibt Sitzecken, alles ist in das goldene Licht der Abendsonne getaucht und die Stimmung ist ein bisschen wie in einem Musikvideo mit Weichzeichner und Gitarre.

 

Ich liebe mein Leben! 

 

Das Dusch- und Toilettenhaus ist ein einfacher Bretterverschlag mit rustikalen Steinen und Bastmatten als Dach.

 

Es gibt - wie in Italien üblich - nur ein Stehklo. Das mag ich nicht. Zum Glück haben wir selber eine Toilette an Bord.

 

Die Hütte ist urig und irgendwie hippiemäßig. Ich frage mich allerdings, wie man die groben Steine und Bretter sauber halten kann. Nicht so richtig gut wahrscheinlich. Egal. Augen zu und durch. 

 

Später gehe ich nur mit Handtuch umwickelt und mit meinem Shampoo in der Hand zur Duschhütte. Das ist total praktisch und nur möglich, weil es nur ein paar Schritte sind und wir am Westhang ganz alleine sind. 

 

Beim Duschen mischt sich die inzwischen kühle Außenluft von draußen unter den heißen Dampf des Duschwassers. Und durch die großen Ritzen zwischen den Brettern kann ich die tief über den Hügeln des Val d´Orcia stehende Sonne sehen.

 

Sehr, sehr cool! Ich will gar nicht mehr aufhören zu duschen! Spätestens jetzt gehöre ich zu den entspanntesten Menschen der Welt.  

 

Wir lassen den Tag entspannt ausklingen mit Tagebuchschreiben, kochen, plaudern, Musik hören, lesen und einem Glas Wein.

 

Und alles mit Blick auf den Berg und auf die Silhouette von Montalcino. Was für ein friedlicher und schöner Ort das hier ist! 

 

Unser letzter Augusttag in diesem Jahr geht mit Blick auf einen roten Himmel über der Toskana zuende. 

 

Abschied vom Sommer - roter Abendhimmel am letzten Augusttag in den Hügeln südlich von Siena
Abschied vom Sommer - roter Abendhimmel am letzten Augusttag in den Hügeln südlich von Siena

Schlafplatz in den Toskanahügeln:

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