Am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder als wäre nichts gewesen. Aber vor unserer Schiebetür ist eine riesige Pfütze, so dass wir zum Aussteigen umparken müssen. Mit Susi ist abgemacht, dass wir um neun starten. Es ist erst sieben.
Der Nachteil, wenn man mit zwei Autos unterwegs ist und eine Uhrzeit abgemacht hat, ist, dass man kann nicht spontan starten kann.
Unser erstes Ziel heute ist Castiglione della Pescaia. Als wir über die Brücke am Stadtrand kommen, ist der Himmel über uns schon wieder dunkel.
Wir ignorieren die dunklen Worten, parken auf einem großen Sandparkplatz am Fluss Bruna und gehen am Fluss und an einem kleinen Hafen entlang zur Innenstadt.
Am Fuß des Berges ist eine kleine Geschäftsstraße zum Bummeln und auf dem Berg ist die eigentliche Altstadt mit steilen schmalen Gassen, die hoch zu einer Festung führen.
In den alten Gassen sind alte Häuser, urige Eingänge und schwebende Bögen zu sehen.
Die Festung ist im Privatbesitz und nicht zugänglich, aber der Außenbereich darf betreten werden.
Wir haben von dort oben eine spektakuläre Aussicht auf das Meer, die Küstenlinie, den Hafen, die vorgelagerten Inseln (auch Elba) und die Pinienwälder der Maremma.
Es ist diesig, aber trotzdem total schön!
Susi ist wegen dem nahenden Regen gar nicht erst mit hoch gekommen und Tatti verschwindet gleich wieder. Sie will nicht nass werden.
Mir ist das egal.
Dann schüttet es plötzlich auch schon wie aus Eimer und ich werde triefend nass.
Noch schnell ein paar Fotos. Der Regen läuft über meine Brillengläser und durchweicht mein T-Shirt. Macht nichts. Ich lebe.
Susi und Tatti warten mit Hannes in einem Durchgang etwas weiter unten.
Der Regen geht so schnell wieder wie er gekommen ist und der Himmel wird wieder blau.
Auf dem Weg zurück zu den Vans holen wir uns Snacks, die wir auf dem Parkplatz essen.
Dann geht unsere Fahrt weiter gen Norden. Wir wollen nach Piombino, von wo die Fähre nach Elba fährt.
Elba ist ja Tattis Wunsch. Die Strecke dorthin führt über wunderschöne Wegstücke am Meer entlang.
Das Meer ist wieder hellblau und den Regen haben wir schon wieder vergessen.
Jetzt sind wir ganz gespannt auf Elba!
In Piombino ist ein Wohnmobilstellplatz beim Friedhof. Es ist ein kleiner Parkplatz an der Straße. Von dort ist es nicht weit zum Fährhafen und nicht weit ins Zentrum mit den Restaurants und Geschäften.
Er fällt kaum auf und ist asphaltiert - erstmal wenig einladend, aber schön nah am Fährhafen.
Als wir auf den Parkplatz kommen, stehen da gerade ein paar Leute und quatschen.
Man kann vom Platz das Meer sehen, darf hier mit dem Wohnmobil übernachten, darf aber nur am Rand stehen. Die Mitte muss für Friedhofsbesucher frei bleiben.
Wir parken erst mal in der Mitte, weil wir das nicht wissen. Da kommt auch schon ein netter Camper zu uns und sagt, dass wir an den Rand fahren sollen. Sonst kommt Jemand und meckert.
Am Rand werden gerade zwei Plätze nebeneinander frei und wir parken ein. Glück gehabt.

Manchmal gibt es Begegnungen, die gleich passen. Und so ist es hier beim Friedhof in Piombino. Es kommt nämlich noch Jemand dazu. Und noch Jemand - alles Deutsche, sehr praktisch für flüssige Gespräche.
Und innerhalb von fünf Minuten sind wir so fröhlich und nett am Reden, als würden wir uns schon immer kennen.
Im Laufe der nächsten Stunden werden wir uns noch über Reiseziele und über Lebensträume austauschen.
Und von Schiebetür zu Schiebetür habe ich eines dieser kleinen ernsten und tiefen Gespräche zu zweit mit meinem direkten Nachbarn. Es ist ein Gespräch ohne Firlefanz, über das Wesentliche im Leben - das eigene Schicksal mit Krankheit, das Akzeptieren, das Weitermachen und das Reisen. Wir sind uns einig.
Denn auch bei unseren Nachbarn gibt es eine fiese Diagnose im Wohnmobil. Und trotzdem stehen sie hier in Italien am Meer. Und genießen. Und plaudern. Und lachen mit uns. So soll es sein!
Also Leute, die ihr da zuhause gerade hadert - klingt abgegriffen, ist aber so - kommt raus aus euren Löchern und jammert nicht! Man hat immer die Wahl, wie man auf die Welt blicken möchte. Und ob man in der Sonne oder im Schatten sitzt.
Geht auf Reisen, entdeckt die Welt! Hadert nicht mit eurem Schicksal!
Während wir da so provisorisch auf dem Parkplatz in der prallen Sonne vor unseren Motorhauben hocken, ruhen die Toten hinter der Mauer und im Hintergrund fahren unermüdlich Fähren nach Elba. (Sorry, das musste jetzt sein.)
Ihr seid supernette Leute, ihr vier, falls ihr das hier lest! Und danke nochmal, dass ich das Foto von uns dreien hier verwenden darf! Und natürlich alles Gute euch!
Nach einer Weile machen wir uns zu dritt auf den Weg in den Ort.
Es ist ein schöner zehnminütiger Spaziergang am Wasser entlang.
Und unsere neuen Parkplatz-Freunde haben uns verraten, wo es das beste Eis gibt. Also los!!
Wir gehen über einen Hügel und kommen zu einer Mole, auf der wir auf das Meer hinaus und Richtung Elba sehen können.
Einen Mini-Hafen gibt es hier auch.
Am Ende der Mole steht ein eckiger Leuchtturm, der aussieht wie ein Playmobil-Turm.
Von dort aus können wir die Umrisse von Elba sehen.
Morgen früh werden wir auch auf der Fähre sein!
Piombino hat einen lebhaften kleinen Ortskern mit Osterias, Restaurants, Gelaterias und einigen Geschäften.
Wir gehen einen Hügel hoch bis zu einem Stadttor und einer halbkreisförmigen Befestigungsanlage mit kleinen Schießscharten.
Menschen sitzen an den Tischen und lachen und Kinder laufen herum. Die Tische sind voll belegt.
Hier ist noch Sommer.
Und wir fühlen uns wohl.
Auf einem kleinen Platz essen wir Eis und erfreuen uns daran, Teil dieser unbekümmerten italienischen Straßenszene zu sein.
Als wir zurückgehen, steht die Sonne schon tief und färbt alles gold.
Abends bereiten wir einen Auflauf im Omnia zu und sitzen wieder draußen auf kleinen Fußhockern zusammen.

Es ist friedlich hier mit Wein, Sonnenuntergang und Elba im Hintergrund. Autos fahren nicht mehr und es wird still auf unserem Platz am Meer.
Als es dunkel wird, können wir Elba deutlich in der Ferne liegen sehen.

Ich will noch schnell einen Blick auf den Friedhof und gehe an der Mauer entlang zum eisernen Tor. Ich höre meine knirschenden Schritte und erwarte gleich düstere Gruselstimmung.
Als ich aber vor die Gitterstäbe des Tores trete und um die Ecke schaue, sehe ich einen hell erleuchteten Friedhof!
Wie jetzt?
Der Friedhof ist richtig einladend und nett!
Ich staune und schaue einen Weg hinunter zu hübschen kleinen Grabkapellen. Die Szenerie wirkt wie ein romantisches Lichterfest in einem Schlosspark. Ein wohliger Schauer durchfährt mich.
Wie lebendig alles wirkt! Jungs, Mädels, feiert ihr da etwa?
Als ich im Bett liege, wühlt mich der Kontrast zwischen Leben und Tod auf.
Wir hier auf dem Wohnmobilstellplatz in Urlaubslaune und hinter uns die Grabkapellen. Echt crazy!
Zum Glück bringen das Meer und die Fähren nach Elba meine Gedanken wieder auf einen guten Kurs zum Einschlafen.
Heutiger Schlafplatz beim Friedhof in Piombino:
